<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448</id><updated>2012-02-15T23:59:20.182-08:00</updated><category term='Achtung: Lebensweisheit'/><category term='publizierte artikel'/><category term='polen'/><category term='kaffeehaus-katastrophen'/><category term='Notizen aus der Türkei'/><category term='türkei'/><category term='grenzgänge'/><category term='Ach Istanbul'/><category term='rumänien'/><category term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Martyna Czarnowska</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>39</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5016214191297386300</id><published>2009-01-09T05:58:00.000-08:00</published><updated>2009-01-09T05:59:09.623-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Auf dem Dampfer</title><content type='html'>Am frühen Sonntagnachmittag ist das Oberdeck auf der Fähre von Eminönü nach Kadiköy auf der anatolischen Seite Istanbuls voll besetzt. Es ist ein sonniger, noch warmer Tag. Die auf den weiß bestrichenen Holzbänken sitzenden Menschen warten auf die Abfahrt der ehemaligen Dampfer, die schon seit Jahren nicht mehr mit Kohle angetrieben werden. Junge Ehefrauen mit Kopftüchern wiegen ihre Kinder im Schosz; die Ehemänner kaufen Tee in kleinen Tulpengläsern, die die ihre Ware laut anpreisend herumgehenden Kellner auf runde Aluminiumtabletts gestellt haben. Ein Vater zeigt seinem Sohn etwas über ihren Köpfen. Über der hellen Plastikplane, die über das Deck gespannt ist, bewegt sich etwas: zwei kleine Flecken in Rhomben-Form. Sie sehen aus wie Blätter im Wind oder zwei nebeneinander fliegende Schmetterlinge, die sich kurz niederlassen, wieder hochflattern und sich gleich darauf wieder niederlassen. Es sind die Füße von Möwen, die über die Plane spazieren. Als sich die Fähre langsam und tuckernd in Bewegung setzt, bleiben die Vögel auf dem Schiff stehen. Der Wind zerzaust ihre Flaumfedern.&lt;br /&gt;Die Fähren über den Bosporus, die den europäischen mit dem anatolischen Teil Istanbuls verbinden. Manche von ihnen sind 50 Jahre alt, und viele von ihnen sehen noch älter aus. Doch sind sie keine Nostalgie-Dampfer für Touristen sondern öffentliche Verkehrsmittel, die den zur Arbeit Fahrenden die tägliche Warterei vor der Bosporus-Brücke ersparen, wo sich nicht nur am Morgen und am Nachmittag die Autos und Autobusse stauen. So ändert sich die Atmosphäre auf den Fähren je nach Tageszeit. Die Ruhe in der Früh und am Vormittag ist eine andere als die am Abend. In der Früh lesen Männer in Anzügen teetrinkend die Zeitung, die sie auf dem Weg zur Anlegestelle gekauft haben; führen Frauen mit sorgfältig geschminktem Gesicht und modischem Haarschnitt Telefongespräche über ihr Handy; bereiten sich Studenten mit Büchern auf ihren Knien auf ihre Vorlesungen vor. Am Abend ist die Müdigkeit in den Gesichtern der Reisenden zu sehen. Manche unterhalten sich träge untereinander, manche schauen mit stumpfem Blick in die Dunkelheit des Meeres. Die meisten sitzen im geheizten Innenraum, aber einige haben auf den Bänken längs des Unterdecks Platz genommen, nur knapp über den Wellen, die das Schiff in das Wasser pflügt und rauchen dort eine Zigarette, auch wenn es mittlerweile offiziell verboten ist. Nach zehn oder mehr Stunden Arbeit kehren sie auf die anatolische Seite zurück, einige von ihnen haben noch eine stundenlange Busfahrt vor sich in eine der eilig hochgezogenen Wohnsiedlungen auf den Hügeln südlich des Bosporus.&lt;br /&gt;Noch bevor der Dampfer beim alten Bahnhof in Haydarpasa anlegt, stehen die Menschen schon ungeduldig vor der Reling. Das Schiff wird langsamer, der Länge nach steuert es auf die Anlegestelle zu, die Stehenden wanken, suchen ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren. Der Vertäuer wartet schon am Ufer, um das dicke Seil aufzufangen, das ihm vom Dampfer aus zugeworfen wird. Kaum hat er das Tau zwei-, dreimal um einen der Poller gewickelt, schon springt ein Passagier mit einem großen Satz über die Bordkante auf die Anlegestelle. Er hat es eilig, vielleicht muss er einen Zug erreichen. Das Schiff ist noch nicht zur Ruhe gekommen, das Heck dreht sich ein wenig zur Meeresseite. Das Seil spannt sich, knirscht. Der Vertäuer zurrt es mit geübten schnellen Bewegungen fest; ein anderer Mann schiebt zwei hölzerne Stege über die Bordkante. In Zweierreihen drängen die Menschen über den Steg, schieben sich in kleinen Schritten dem Ufer entgegen, rempeln einander, hasten schließlich – sobald sie festen Boden unter den Füßen haben – in einem breiten Strom davon.&lt;br /&gt;Vor den Glastüren der Anlegestelle wiederum hat sich die nächste Menschentraube gebildet. Aneinandergepresst warten die Passagiere, bis die Aussteigenden das Schiff verlassen haben. Für das Gedränge gibt es keinen Grund; die Fähre bietet Platz für alle, keiner würde zurückgelassen werden. Dennoch treten die Menschen vor der Tür von einem Fuß auf den anderen, Minuten bevor die Fähre überhaupt noch angelegt hat. Kaum haben die einen den Dampfer verlassen, schon gehen für die anderen die Türen auf. Die Arbeiter der Anlegestelle schieben mit einem kräftigen Ruck die schweren Glastore zur Seite; die Menschen strömen auf das Schiff zu, schieben einander über die Holzstege, hasten die Stufen zum Oberdeck empor oder lassen sich auf die Bänke im überhitzten Innenraum fallen. Ein paar Zuspätkommende laufen über den Aufenthaltsraum auf die Türen zu; ein Arbeiter hält ein Tor einen Spalt breit offen, um die letzten Passagiere aus dem Gebäude auf die Fähre zu lassen. Dann werden die Holzstege wieder zurückgezogen, die Taue gelöst. Dröhnend schiebt sich der Dampfer vom Ufer weg. Vor der kleinen Schiffsbar bilden sich von Neuem Schlangen von Kunden. Von Neuem wird hinter der Theke heißes Wasser in die riesigen kupferfarbenen Teekessel gefüllt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5016214191297386300?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5016214191297386300/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5016214191297386300' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5016214191297386300'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5016214191297386300'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2009/01/auf-dem-dampfer.html' title='Auf dem Dampfer'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-4594496540328747485</id><published>2009-01-05T05:55:00.000-08:00</published><updated>2009-01-09T05:58:13.645-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Unter Wasser</title><content type='html'>„Na seawas, es pisst ja ordentlich draußen“, denke ich, als ich mitten in der Nacht aufwache. Zufrieden ziehe ich meine warme Bettdecke enger um mich und schlafe wieder ein. In der Früh regnet es noch immer so stark. Seltsam nah ist das Geräusch. Ich gehe in die Küche. Und merke, dass es nicht der Regen war, den ich gehört habe. Das Wasser ist drinnen. Es schießt mit vollem Strahl unter der Abwasch hervor, es fließt ungehemmt auf den Holzboden, es hat die Küche unter Wasser gesetzt. Ich versuche, die geplatzte Wasserleitung irgendwie zu fixieren, der nicht zu bändigende Metallschlauch spritzt mich von oben bis unten voll. Wo ist bloß der Hahn, um das Wasser abzusperren? Im durchnässten Nachthemd renne ich vor die Tür, drehe am Hahn. Das Wasser lässt sich nicht abwürgen. Ich renne wieder in die Wohnung, streife mir eine Hose über und klopfe an die Tür der einen, dann der anderen Nachbarn. Ist es der wirre Blick, das nasse Haar, die seltsame Kombination aus Hose und Nachthemd? Oder schlafen noch alle? Niemand öffnet, niemand hilft.&lt;br /&gt;Schließlich gelingt es mir, den Wasserhahn zuzudrehen. Ich versuche, Kubikliter von Wasser vom Holzboden aufzuwischen. Auf einmal klopft es an der Tür. Eine Nachbarin erzählt etwas von Wasser. Ich weiß, gebe ich ihr zu verstehen und zeige auf mein Wasser. Dann gehe ich mit ihr nach unten. Zentimetertief steht der Gang unter Wasser, es fließt die Wände des Kellers entlang, der sich unter meiner Wohnung befindet. Wenigstens habe ich keine weitere Wohnung unter Wasser gesetzt. „Allah Allah“, jammert die Nachbarin, und ich jammere in gebrochenem Türkisch mit. Ob ich beim Aufräumen helfen kann? Sie macht eine abweisende Handbewegung. Ist schon gut, ich soll mich um meine Überschwemmung kümmern.&lt;br /&gt;Bis der Klempner kommt, dauert es nicht einmal sieben Stunden. Ich sitze vor dem Heizkörper – habe ich schon erwähnt, dass diese wunderschöne alte Wohnung mit ihren hohen Räumen verdammt schlecht zu heizen ist? – und höre dem Wasser beim In-den-Eimer-tropfen zu. Der Klempner also kommt mit seinem kaum 17-jährigen Gehilfen, kratzt sich am Kopf und ortet ein Problem. Dann lässt er seinen Assistenten unter die Spüle kriechen. Für seinen klobigen Körper wäre nicht Platz genug. Er raucht eine Zigarette und gibt seinem Lehrling Anweisungen. Das Verbindungsstück in der Wasserleitung sei schlechte Qualität gewesen, sagt er. Aus China. Aha. Und was kümmert mich das? Ich bin erst vor einem Monat eingezogen, die Wohnung ist zuvor komplett renoviert worden, die Leitungen waren neu. Aber er, erklärt mir der Klempner, verwendet türkisches Material. Aha. Und wann platzt diese Leitung? will ich wissen. Ach Mädchen, sagt er und klopft mir auf die Schulter. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, dann kann ja auch ein Unfall passieren. Wer weiß schon, was sein kann… Diese Kismet-Sache, dieses Was-kommen-soll-kommt-eben, kann ziemlich auf die Nerven gehen. Macht eure Arbeit ordentlich, verwendet kein schlechtes Material – es geht hier nicht um Kismet sondern um Pfusch, würde ich am liebsten entgegnen. Doch dafür reicht mein Türkisch nicht aus. Also lächle ich wie gottergeben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-4594496540328747485?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/4594496540328747485/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=4594496540328747485' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4594496540328747485'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4594496540328747485'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2009/01/unter-wasser.html' title='Unter Wasser'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-3595562864088156576</id><published>2008-12-09T09:20:00.000-08:00</published><updated>2008-12-10T09:23:47.454-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Blutiges Fest</title><content type='html'>Die Türglocke in Ayses Wohnung klingelt schon wieder. Die fünfzehnjährige Tochter macht die Tür auf, nimmt von der Nachbarin ein Päckchen entgegen, tauscht mit ihr Glückwünsche aus. Zuvor waren ein paar Cousins zu Besuch, Ayses Schwester ist ebenso vorbeigekommen, die Nichten und Neffen waren ebenfalls da. Es ist Kurban Bayram, das Opferfest zur Erinnerung daran, dass Gott den gläubigen Abraham daran gehindert hat, dessen Sohn Isaak zu opfern. Vier Tage lang wird dies gefeiert, und Millionen von Türken machen sich auf die Reise, um ihre Familien zu besuchen.&lt;br /&gt;Es ist auch ein blutiges Fest. Muslime, die es sich leisten können, müssen ein Tier opfern und das Fleisch an Bedürftige verteilen. „Es sind meist arme Leute aus der Umgebung“, erklärt Mahmut. „Sie holen sich das Fleisch dann ab. Oder du kannst es auch in der Moschee abgeben, die es dann verteilt.“ Mahmut hat Internationale Beziehungen studiert – unter anderem in Polen – und besucht jetzt ein Koranseminar in Istanbul. Nein, lacht er, er wolle kein Imam werden. Aber er möchte Arabisch lernen und dann vielleicht Diplomat werden. Während er das erzählt, haucht er immer wieder in seine Hände, um sie in der aufziehenden Abendkälte aufzuwärmen. Seit zehn am Vormittag sitzt er an einem kleinen Tisch vor der Moschee im Istanbuler Stadtviertel Tepebasi und führt Buch über die geschlachteten Schafe. An die hundert waren es heute. Auch Kühe werden geopfert, aber die hätten in dem kleinen Schlachtraum neben der Moschee keinen Platz.&lt;br /&gt;In dem weiß gekachelten Raum sind ein paar Männer in grünen Plastikumhängen und Gummistiefeln seit Stunden damit beschäftigt, Schafen die Kehle durchzuschneiden, die Tiere zu häuten und grob zu zerlegen. Immer wieder spritzen sie den Boden mit Wasser ab, kehren das Blut in eine Rinne in der Mitte des Raums.&lt;br /&gt;„Freunde, jeweils nur fünf sollen sich anstellen“, schreit jemand. „Es gibt eine Reihenfolge einzuhalten.“ Vor der Tür drängen sich die Menschen und mühen sich, die zuvor auf Märkten gekauften und nun an Stricken gehaltenen Schafe zu beruhigen. Es ist kein Blöken zu hören, obwohl die Tiere das Blut spüren.&lt;br /&gt;Im Innenhof der Moschee wird das Fleisch zerteilt, und die Menschen tragen es in großen schwarzen Plastiksäcken davon. In Scheibtruhen werden Überreste wie Hufe oder Fellstücke zu den bereitgestellten Müllcontainern gekarrt.&lt;br /&gt;Nicht überall werden die staatlich geregelten Vorschriften zur Schlachtung eingehalten. Statt in dafür vorgesehenen Räumen wird auch in Gärten, auf Feldern, in Parks, sogar auf Kinderspielplätzen geschlachtet. Trotz der riesigen Plastikplanen, die ausgebreitet werden, färbt sich die Erde rot. Jedes Jahr mahnen Zeitungen ihre Leser, kleine Kinder bei der Opferung nicht zusehen zu lassen – und bringen dann Bilder von Sechs-, Siebenjährigen, die entsetzt die Augen abwenden. Jahr für Jahr landen tausende Ungeübte im Krankenhaus, weil sie sich bei ihren Schlachtversuchen selbst verletzt haben.&lt;br /&gt;Als der Muezzingesang zum Abendgebet erklingt, ist das Schlachten neben der Moschee in Tepebasi vorbei. Ein Mann spritzt mit einem Wasserschlauch die letzten Blutreste vom Gehsteig.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-3595562864088156576?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/3595562864088156576/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=3595562864088156576' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3595562864088156576'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3595562864088156576'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/12/blutiges-fest.html' title='Blutiges Fest'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-8185286530860959161</id><published>2008-12-08T09:17:00.000-08:00</published><updated>2008-12-10T09:19:51.596-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Der Kuehlschrank im Salon</title><content type='html'>Es ist ja nicht so, dass wenn du eine möblierte und bezugsfertige Wohnung mietest, du tatsächlich einziehen kannst. Du darfst Miete und Kaution zahlen, das ja – und im Voraus. Aber es sind noch ein paar Dinge zu erledigen. Kleinigkeiten, wie die Maklerin versichert. Da wären etwa Strom und Gas anzumelden. Du gehst also mit deinem Mietvertrag und etlichen anderen Dokumenten zur Gasstelle und stellst dich auf Warten ein. Wie überall – ob auf Banken, an Bushaltestellen, in Behörden, sogar vor Bankomaten, von denen es an jeder Ecke einen gibt – stellen sich die Türken geduldig und recht geordnet an. Wer sich vordrängen will, wird zurechtgewiesen.&lt;br /&gt;In der Gasstelle ziehe ich also aus einem Automaten eine Nummer: 326. Die kleinen Anzeigen über den Glastüren, hinter denen die Beamten sitzen, zeigen 201, 206 und 203 an. Nach einer Stunde werden alle Menschen aus dem Gebäude gebeten. Es ist Mittagspause, wir sollen in einer Stunde wiederkommen. Die Menschen strömen aus dem Haus, gehen Einkaufen oder ins nächste Kaffeehaus, warten vor der Tür auf neuerlichen Einlass. Nach drei Stunden neuerlichen Wartens habe ich meinen Gasvertrag – und bekomme den Gaszähler in die Hand gedrückt. Den solle ich nach Hause tragen, sagt ein freundlicher Mann. Etwas verzagt versuche ich herauszufinden, ob ich das Gas selbst anschließen muss. Nein, das wird erledigt. Wann? Der Mann lächelt freundlich.&lt;br /&gt;Der Stromvertrag ist ein Klacks dagegen. Darauf brauche ich nur zwei Stunden zu warten.&lt;br /&gt;In der Wohnung stelle ich fest, dass das fehlende Glas in einem Fenster noch immer nicht eingesetzt ist. Stattdessen fehlt nun auch ein Glas im Wohnzimmer. Ach, das werden wohl die Arbeiter zum Auswechseln mitgenommen haben, meint die Maklerin am Telefon. Werden sie wohl.&lt;br /&gt;Zwei Tage später ist das Fenster noch immer nicht da. Aber das Gas wird angeschlossen. Sehr schnell ging das: Kurz war ich weg zum Einkaufen, komme zurück und stelle fest, dass jemand in der Wohnung war. Der Kühlschrank nämlich steht auf einmal im Wohnzimmer. Als sie das Gas angeschlossen haben, mussten sie anscheinend hinter dem Kühlschrank etwas richten und haben diesen in den Salon verfrachtet. Sogar angeschlossen haben sie ihn dort, was ich sehr aufmerksam finde.&lt;br /&gt;Angeschlossen ist nun auch das Wasser in der Küche. Doch es tropft.&lt;br /&gt;Einen Tag später ist auch das Glas eingesetzt. Doch in einem Fenster klafft ein Spalt von einem halben Zentimeter zwischen Glas und Rahmen.&lt;br /&gt;Störend ist auch der zentimeterbreite Spalt zwischen den Flügeln der wunderschönen hölzernen Eingangstür, wo eine Leiste fehlt. Von mir aus sollen die Nachbarn reinsehen können, aber die Dezemberkälte, die ungehindert reinströmt, ist unangenehm. Vor allem weil seit Tagen das Glas im Hauseingang fehlt – weggebracht zu Service-Zwecken, wie es hieß.&lt;br /&gt;Der Maklerin schicke ich nur noch SMS. Weder will ich mit ihr reden, noch sie mit mir. Die Arbeiter werden schon kommen, schreibt sie. Wohl nach den Feiertagen zum Opferfest. Dieses dauert ja nur eine Woche.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-8185286530860959161?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/8185286530860959161/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=8185286530860959161' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8185286530860959161'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8185286530860959161'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/12/der-kuehlschrank-im-salon.html' title='Der Kuehlschrank im Salon'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-2742969145448456305</id><published>2008-12-06T09:12:00.000-08:00</published><updated>2008-12-10T09:17:04.664-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Auf Wohnungssuche</title><content type='html'>Das ist ja ganz einfach, sagen meine türkischen Bekannten. Wenn du eine Wohnung finden willst, dann brauchst du nur durch die Gegend gehen und auf die Fenster schauen. Dort sind immer wieder Zettel angeklebt, mit dem Text „Zu vermieten“ und einer Telefonnummer. Du rufst an und lässt dir die Wohnung zeigen.&lt;br /&gt;Klappt bei mir aber irgendwie nicht. Also verlege ich mich wieder auf die Suche im Internet und komme dabei um diese Immobilienmakler nicht herum, die von mir eine ganze Monatsmiete verlangen werden, bloß weil sie mich in ein Haus führen und die Wohnung aufsperren.&lt;br /&gt;Wohnung 1 liegt im fünften Stock und ist über eine metallene Wendeltreppe erreichbar. Im Vergleich zu diesem Stiegenhaus wirken die Feuerleitern an den Außenwänden der Häuser wie solidestes Bauwerk. Die Aussicht auf den Bosporus aber ist überwältigend. Nur ist es schwierig auf dem Balkon zu stehen, weil dieser nach vorne kippt.&lt;br /&gt;Wohnung 2 ist groß und hell, neu renoviert und hat zwei Zimmer. Aber es hat sie gerade ein Deutscher gemietet. Wozu er mir sie dann zeige, frage ich den gesprächigen Makler. Weil in dem Haus noch etwas frei ist.&lt;br /&gt;Wohnung 3 aber ist noch nicht fertig. Es soll ein ausgebautes Dachgeschoss werden. Wo ist denn das Klo? Ja, wo denn – der Makler gibt die Frage an den Handwerker weiter. Unter einer Dachschräge wurde ein kleines Plätzchen geschaffen, in das du nur gebückt reinschlüpfen kannst. Stehen ist nicht möglich. Auch für eine Dusche sind die Räume nicht hoch genug. Dafür soll ein Yacuzi ins Schlafzimmer kommen.&lt;br /&gt;Wohnung 4 ist ebenfalls neu renoviert. Nur ist es das einzige renovierte Haus in der engen dunklen Gasse. Rundherum wunderschöne aber völlig verfallene und – auf den ersten Blick – unbewohnte Jahrhundertwendehäuser. In der Nacht sollte ich lieber mit dem Taxi heimkommen, rät der Makler.&lt;br /&gt;Wohnung 5 ist zu teuer, Wohnung 6 zu klein (und zu teuer), die Möbel in Wohnung 7 sind so hässlich wie Billigmöbel aus den 80er-Jahren nun mal sind.&lt;br /&gt;Gut, vielleicht soll es nicht Beyoglu auf der europäischen Seite sein, denke ich und versuche es in Kadiköy auf der anatolischen Seite. Die Mieten dort sollen sowieso niedriger sein.&lt;br /&gt;In dem alten Haus, wo mir der 70-jährige Besitzer Wohnung 8 und 9 zeigt, gibt es keine Heizung. Wäre vielleicht nicht so ein Problem, aber die Wohnungen sind völlig verdreckt. Wir sitzen noch ein wenig zusammen, trinken Kaffee, er klagt mir sein Leid als Wohnungsbesitzer und küsst mich dann auf beide Wangen. Er hätte mich so gerne als Mieterin, sagt er zum Abschied.&lt;br /&gt;Wohnung 10 ist bis an die Decke jedes einzelnen Zimmers mit Krempel angeräumt. Alte Radios, ausgemustertes Gewand, ungebrauchte Möbel, Polster, kaputtes Spielzeug: Alles stapelt sich in den drei kleinen Räumen. Wenn ich etwas nicht brauche, könne es der Besitzer ja wegnehmen, sagt die Maklerin. Ich brauche gar nichts davon.&lt;br /&gt;Gut, vielleicht doch wieder Beyoglu.&lt;br /&gt;Wohnung 11, 12 und 13: zu teuer, zu klein, zu grindig. Klar, für 1500 Euro kannst du tolle Wohnungen in Istanbul bekommen. Aber ich bin nun einmal kein Geschäftsmann, dessen Firma die Dienstwohnung mit Terasse und Meerblick bezahlt. Dennoch bin auch ich eine Ausländerin. Und Ausländer hätten nun mal Geld, das es ihnen abzuknöpfen gilt, ist die häufige Annahme.&lt;br /&gt;Wohnung 14 bis 17: nothing to write home about.&lt;br /&gt;Wohnung 18: wunderschöne hohe Räume, neue Küche, Parkettboden, zwei kleine Balkone mit Blick auf Halic, das Goldene Horn, drei Zimmer. Wenn ich groß bin, will ich so eine Wohnung. Jetzt aber ist mein Budget zu klein.&lt;br /&gt;Wohnung 19 sehe ich mir zwei Mal an, das zweite Mal mit E. Als wir in die nächste kleine Gasse einbiegen, sagt sie: Nein. In diese Gegend solltest du nicht ziehen. Das Viertel sei nicht unbedingt sicher. Doch die Wohnung lässt mir keine Ruhe. Ebenfalls hohe Räume, alte im Original belassene Holztüren, Parkettboden, genug Platz für mich und Gäste,  nur wenige, dafür brauch- und ansehbare Möbel.&lt;br /&gt;Wohnung 20 ist nett und freundlich, doch Wohnung 19 wartet.&lt;br /&gt;An Wohnung 21 habe ich auch etwas auszusetzen. Der Makler ruft an, dass Wohnung 19 etwas billiger zu haben ist. Ich zögere noch und schaue mir Wohnung 22 an.&lt;br /&gt;Und dann rufe ich den Makler an. Ich will sie, ich nehme sie. Doch auch mit Wohnung 19 wird nicht alles ganz einfach.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-2742969145448456305?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/2742969145448456305/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=2742969145448456305' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2742969145448456305'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2742969145448456305'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/12/auf-wohnungssuche_06.html' title='Auf Wohnungssuche'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-8571136338074688334</id><published>2008-11-10T09:06:00.000-08:00</published><updated>2008-12-10T09:11:40.958-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ach Istanbul'/><title type='text'>Das Amt fuer Auslaender</title><content type='html'>Das Ausländeramt ist in einem hässlichen langgezogenen sechsstöckigen Betonbunker untergebracht. Gleich daneben steht eine andere Behörde. „Ich liebe mein Land, ich zahle meine Steuer“, ist auf einem riesigen Schild über dem Eingang zu lesen. Muss wohl das Finanzamt sein. Ich aber habe im Moment andere Sorgen. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, meinen Aufenthaltsstatus in der Türkei zu legalisieren und eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Was im Endeffekt wieder bedeutet: anstellen und warten. Noch bevor die Menschen zur Behörde vorgelassen werden, müssen sie in einem kleinen Raum ihre Pässe oder Personalausweise vorweisen. Eine Schlange gibt es für die türkischen Staatsbürger, eine für die Ausländer. Die drei Beamten hinter dem Pult notieren jeden Namen. Vorbeigelassen gehen die orientierungslosen Antragsteller über einen weiträumigen Innenhof und in die Behörde hinein.&lt;br /&gt;Wer ausländisch ausschaut, wird vom gelangweilten Türsteher gleich in den ersten Stock gewinkt. Dort geht es zunächst zur Schlange vor der Information. Nicht wegen der Information, sondern weil dort die Nummern verteilt werden, die für das Warten vor dem nächsten Schalter notwendig sind. Als ich an der Reihe bin, schiebe ich dem Beamten hinter der Glaswand durch den Schlitz die Dokumente zu: ein Formular, ein anderes Formular, eine Kopie des Passes, eine Kopie des Visums, eine Bestätigung über vorhandene Geldmittel, eine Bestätigung über den Besuch des Sprachkurses, vier Passfotos. Und wo ist der Antrag, der Antrag auf Türkisch?, will der Mann wissen. Wie, um Gottes willen, soll ich einen Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung auf Türkisch schreiben?, frage ich den Mann mehr mit Augen und Händen als mit der Zunge. Der Beamte seufzt. Er nimmt ein Stück Papier, schreibt zwei kurze Sätze darauf und lässt mich unterzeichnen. Ich unterschreibe und hoffe, dass es nicht gerade die Einwilligungserklärung für einen Eintritt in die Armee war. Danach soll ich mich am Kassenschalter anstellen (dort geht es am schnellsten) und mit der Quittung wiederkommen. Am nächsten Tag werde meine Aufenthaltsgenehmigung fertig sein.&lt;br /&gt;Im Hintergrund klappern Tastaturen. Hinter den hinter der Glaswand sitzenden Beamten ist eine zweite Reihe mit Schreibtischen aufgestellt. Neben dem Computer haben die Menschen riesige aufgeschlagene Bücher liegen. Dort werden händisch die Namen der angemeldeten Ausländer eingetragen, deren Foto wird eingeklebt. Spalte um Spalte füllen die Beamten mit den Daten der Neuankömmlinge, blättern die Seite um und schreiben die nächsten Informationen auf. Wo werden diese Bücher aufbewahrt, wer kann etwas auf diesen Millionen von Seiten wieder finden?&lt;br /&gt;Am nächsten Tag stelle ich mich vor dem Schalter an, an dem die fertig gestellten Aufenthaltsgenehmigungen ausgeteilt werden. Die Beamten sind gerade von der Mittagspause zurückgekommen. Sie setzen sich auf ihre Plätze, öffnen langsam die Schubladen des Tisches, nehmen die zuvor dort verstauten Kugelschreiber heraus und auch die Stempel, einen nach dem anderen und ohne Eile. Der jüngere Mann ordnet alles auf dem Schreibtisch, dann schaut er auf, lässt seinen Blick durch die Gesichter der Wartenden schweifen, zeigt einen Anflug von Lächeln. Na gut, gibt er zu verstehen: Wenn ihr unbedingt wollt, dann fangen wir an. Er sammelt die Zettel ein, die die Menschen an den Schaltern zuvor bekommen haben und auf denen die Wartenummer für die Aufenthaltsgenehmigung steht. Dann steht er auf, geht in einen Nebenraum, sucht in einem Ordner nach den Dokumenten. Mit einem Stapel Ausweise und Papiere kommt er zurück, setzt sich wieder, öffnet einen Ausweis. „Tadschikistan“, ruft er. Ein junger Mann schiebt sich nach vorne, nimmt seine Aufenthaltsgenehmigung entgegen, unterschreibt ein Papier, das dann mit drei verschiedenen Stempeln versehen wird. „Ukraine“, ruft der Beamte dann. Es folgen Usbekistan, noch mal Ukraine, Rumänien, Bulgarien… Und wo bleibt Österreich? Der Mann zuckt mit den Schultern: Ist wohl noch nicht fertig. Ich solle am nächsten Tag wiederkommen. Ein Engländer rät mir, es nicht wörtlich zu nehmen. Er spricht aus fünfjähriger Erfahrung, da er seine Aufenthaltsgenehmigung jedes Jahr erneuern muss.Nach einer Woche habe ich meine Aufenthaltsgenehmigung für ein halbes Jahr in der Hand. In erster Linie bedeutet das: Ich muss das Ausländeramt sechs Monate lang nicht betreten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-8571136338074688334?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/8571136338074688334/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=8571136338074688334' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8571136338074688334'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8571136338074688334'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/12/das-amt-fuer-auslaender.html' title='Das Amt fuer Auslaender'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-369353721752415957</id><published>2008-07-03T08:11:00.000-07:00</published><updated>2008-08-13T08:13:56.264-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><title type='text'>Neun Euro für eine Information</title><content type='html'>"Freunde im Ausland?" Mein Mobilfunkanbieter hat mich durchschaut. Nach nur ein paar SMS über die Grenze hinaus hat er gleich per Kurzbotschaft nachgefragt, ob ich nicht an einem Angebot für billigere Telefonate in die Türkei interessiert wäre.&lt;br /&gt;Ja, ich habe dort Freunde. Und würde ich mich damit begnügen, mit ihnen zu telefonieren, wäre alles kein Problem. Doch ich möchte sie nach Österreich einladen und mit ihnen ein paar Tage in Wien verbringen. Da hört sich der Spaß auf.&lt;br /&gt;Zwar wollen die beiden keineswegs in Österreich bleiben und hier schwarz auf dem Bau arbeiten. A. ist Bankanalystin, O. EDV-Spezialist; an Hilfsarbeiterjobs im Ausland sind sie nicht interessiert. Doch das alles müssen sie den Österreichern nachweisen. Um ein Visum zu bekommen, das 60 bis 75 Euro kostet, brauchen sie neben gültigem Reisepass, Geburtsurkunde und einem Auszug aus dem Familienregister unter anderem:&lt;br /&gt;* Nachweis der Unterkunft,&lt;br /&gt;* Nachweis des Transportmittels,&lt;br /&gt;* Arbeits- und Urlaubsbestätigung des Arbeitgebers,&lt;br /&gt;* Lohnbestätigung und aktuellen Kontoauszug,&lt;br /&gt;* Einladungsschreiben.&lt;br /&gt;Nähere Informationen und eine Terminvergabe etwa bei der österreichischen Botschaft in Ankara sind dabei keinesfalls gratis. Da wird am Telefon nach der Begrüßung zunächst die Kreditkartennummer oder ein Pin-Code von der Bank verlangt. Neun Euro werden dann gleich einmal dem potenziellen Antragsteller für die Dienstleistungen des Callcenters abgezogen.&lt;br /&gt;Mir als Einladender wird es auch nicht einfach gemacht. Für eine elektronische Verpflichtungserklärung für meine Gäste muss ich der Polizei Pass, Meldezettel und Lohnbestätigung vorlegen. Mit den Unterlagen marschiere ich also aufs Kommissariat. Dort stellt sich aber heraus, dass ich ebenso meinen Mietvertrag vorzeigen muss. Schließlich gehört auch notiert, auf wieviel Quadratmetern ich wohne und was ich dafür bezahle. Also marschiere ich noch einmal aufs Kommissariat, damit das ebenfalls erledigt wird. Eine Garantie, dass meine Freunde ihr Zehn-Tages-Visum bekommen, gibt es freilich nicht.&lt;br /&gt;                                                                                 *&lt;br /&gt;Da es jetzt total in Mode ist, offene Briefe zu verfassen, könnten die beiden den anderen Dokumenten folgendes Schreiben beifügen:&lt;br /&gt;"Sehr geehrte österreichische Bundesregierung!&lt;br /&gt;Uns türkischen Staatsbürgern ist bewusst, dass Sie auf die Befürchtungen der Bevölkerung in Ihrem Land Rücksicht nehmen. Doch wir möchten nicht nach Österreich reisen, um den Menschen dort die Arbeitsplätze wegzunehmen oder die islamische Kultur zu verbreiten. Wir möchten dort nicht einmal länger als zehn Tage bleiben, sondern einfach nur Urlaub machen und etwas von unserem in der Türkei verdientem Geld dortlassen.&lt;br /&gt;Warum aber behandeln die EU-Staaten – denn die Anforderungen für Visa in andere Länder sind ähnlich – Ausländer aus Nicht-EU-Staaten als potenzielle Schwarzarbeiter oder Kriminelle? Warum wird die von der EU theoretisch so hochgeschätzte Mobilität uns so schwer gemacht? Warum schottet sich Europa derart ab? Warum habt Ihr so viel Angst vor uns?&lt;br /&gt;Herzlichst – A. und O."&lt;br /&gt;                                                                                                   &lt;br /&gt;                                                                                                  Wiener Zeitung, 2. Juli 2008&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-369353721752415957?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/369353721752415957/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=369353721752415957' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/369353721752415957'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/369353721752415957'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/07/neun-euro-fr-eine-information.html' title='Neun Euro für eine Information'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5811239740725040456</id><published>2008-06-13T08:36:00.000-07:00</published><updated>2008-06-13T08:38:21.709-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='kaffeehaus-katastrophen'/><title type='text'>Thema Nummer Eins</title><content type='html'>Selbstverständlich schaue ich mir jedes EM-Match an. So auch Österreich-Polen. Doch in dem Wiener polnischen Lokal sind nur meine Schwester und ich für Polen. Alle anderen zittern für Österreich. Dafür bekomme ich eine polnische Fahne umgehängt. Doch gegen Mitte der ersten Halbzeit kann ich nicht anders: Ich richte meine Sympathie auf die Österreicher. Sie tun mir einfach leid. Meine Schwester wiederum kann den Schwenk nicht fassen, beschimpft mich auf Deutsch und Polnisch. Hätte ich die polnische Staatsbürgerschaft noch, würde sie sie mir aberkennen. Meine Fahne aber darf ich behalten.&lt;br /&gt;Nach dem Match ist das Lokal plötzlich voll. Zwei polnische Fans wanken herein, sie haben versucht, sich das Unentschieden schönzutrinken. Einer verschwindet wieder, der andere baggert mich an. Als der Verschwundene wieder auftaucht, ist der Baggerer weg. Dafür weiß der erste nun nicht, wo er schlafen soll. Ich nicke mitfühlend. Ganz schön tragisch.&lt;br /&gt;Dann versuchen zwei Österreich-Fans ins Gespräch zu kommen. Doch sie sind entsetzt, als sie erkennen müssen, dass die Polin eine Polin ist. Und dann verkünden sie ihre Erkenntnis des Tages: „Es gibt wichtigeres als Sex“, finden sie. „Fußball.“ Stimmt. Doch Männer, die sich für Sex nicht interessieren, interessieren uns nicht. Als die Burschen das vernehmen, ziehen sie ab.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5811239740725040456?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5811239740725040456/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5811239740725040456' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5811239740725040456'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5811239740725040456'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/06/thema-nummer-eins.html' title='Thema Nummer Eins'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5811217767322703981</id><published>2008-06-03T07:33:00.000-07:00</published><updated>2008-06-03T07:34:11.957-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Reisen mit dem Autobus</title><content type='html'>Die Reise von Istanbul nach Van dauert siebzehn Stunden. Manchmal auch etwas länger, wenn mehr Leute unterwegs aussteigen. Denn dazu ist keine Haltestelle nötig. Es reicht, dem Busfahrer zu sagen, er solle dich bitte an der Straßenecke irgendeines Städtchens rauslassen. Ich bin neben einer kleinen rundlichen Frau mit Kopftuch platziert worden. Freie Platzwahl gibt es im Autobus nämlich nicht. Wie für das Flugzeug werden Tickets mit Sitzplatznummern verkauft. Und wie im Flugzeug gibt es Stewards, die Tee und kalte Getränke servieren. Meine Nachbarin fängt gleich ein Gespräch mit mir an. Dass ich so gut wie gar nichts verstehe, kümmert sie nicht. Sie nestelt das Foto ihres Sohnes aus dem Geldbörsel, sagt, dass er in Ankara arbeitet und noch unverheiratet ist. Dann meint sie, es wäre auch für sie bequemer gewesen, eine Hose anzuziehen. Dabei zupft sie an meiner Jeans, um sicher zu gehen, dass ich sie verstehe. Sie ist fünfzig, hat Textilien gefertigt, Borten und Jacken gehäkelt. Dadurch sind ihre Augen schlechter geworden, jetzt ist sie pensioniert. All das erklärt sie mit viel Körpereinsatz und indem sie sich an mich lehnt. An den Raststätten biete ich ihr Zigaretten an.&lt;br /&gt;Um zwei, drei in der Nacht wird es ruhig im Autobus. Die Menschen machen es sich bequem, so gut es geht, schlummern. Ein kleines Kind quengelt leise, wird aber gleich beruhigt. Eine Frau reist mit ihren zwei Söhnen. Sie sind nicht älter als acht Jahre. Geduldig schauen sie aus dem Fenster, schlafen dann aneinander geschmiegt, klagen nicht über Langeweile. Um vier Uhr beginnen drei Männer hinter mir eine Diskussion über Politik. Ich höre den Namen des Oppositionsführers.&lt;br /&gt;Kurz nach fünf wird es hell. Wir kommen ans Schwarze Meer, fahren die Küste entlang. Die Straße verläuft oft nicht einmal hundert Meter vom Meer entfernt. Statt Strände zu schaffen wurden hier Straßen gebaut.&lt;br /&gt;Vor der Raststätte in Terme steht die Statue einer einbrüstigen Frau, die einen Pfeil in ihren Bogen spannt. Die Amazonen sollen einer Legende nach hier gelebt haben.&lt;br /&gt;Um zehn vormittags, in Trabzon, sind nur noch die wenigsten Fahrgäste übrig. Die meisten sind unterwegs ausgestiegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reise von Trabzon nach Van dauert elf Stunden. Als der Bus wegfährt, ist es schon dunkel. Es sind viele Plätze frei, ich sitze in der Mitte des Busses, gleich beim hinteren Ausgang, wo der zweite Busfahrer oder Steward eine Schlafkoje hat. Vor Mitternacht sitzt einer von ihnen auf den Stufen vor der Koje und raucht eine Zigarette. Ob ich auch eine wolle, fragt er mich in Zeichensprache. Klar. Wir sitzen dann gemeinsam auf den Stufen und rauchen. Dann bedeutet er mir, ich soll doch in die Koje kommen. Nein. Na dann solle ich ihn doch wenigstens küssen. Neeeeeeeiiin. Nur einmal. Aber sicher nicht. Während ich flüchte, frage ich ihn, ob er spinnt. Der Mann ist an die Fünfzig und hat Zahnlücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Igdir nach Kars sind es gute hundert Kilometer. Doch die Reise dauert dreieinhalb Stunden. Der Weg führt über Berge, die vor tausenden von Jahren durch Lava geformt worden waren. Das Gestein wird auch zum Häuserbau verwendet. Wie in die Erde gebaut und so schwarz wie sie sehen die ärmlichen Dörfer mit ihren flachen Dächern am Wegesrand aus. Dazwischen grüne Felder, im Hintergrund Berge und die hügelige Weite des Landes.&lt;br /&gt;Die Reise wird durch Kontrollen unterbrochen. Soldaten haben Stützpunkte aufgebaut. Der Weg verläuft entlang der Grenze zum Iran und zu Armenien, die Autos werden nach geschmuggelten Zigaretten oder alkoholischen Getränken abgesucht.&lt;br /&gt;Und noch etwas, meint E.: Es ist von Kurden bewohntes Gebiet, die Menschen hier werden schlicht schikaniert. Ihnen soll das Reisen vergällt werden. Unter dem Vorwand, die PKK bekämpfen zu wollen, die in den Bergen ihre Rückzugsgebiete hat, mache die Regierung allen Menschen das Leben schwer.&lt;br /&gt;Jedenfalls werden alle Fahrzeuge aufgehalten, wie an einer Grenze. Manchmal müssen die Reisenden ihr Gepäck aus dem Kofferraum des Autobusses rausholen. Dann öffnen die Soldaten jede einzelne Tasche und tasten sie ab. Es sind junge Burschen, viele gerade einmal zwanzig Jahre alt, die ihren Militärdienst hier ableisten müssen. Einer von ihnen, auf die Kontrollen angesprochen, sagt, er tue es auch nicht gern. Aber es solle halt so sein.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5811217767322703981?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5811217767322703981/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5811217767322703981' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5811217767322703981'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5811217767322703981'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/06/reisen-mit-dem-autobus.html' title='Reisen mit dem Autobus'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-448746830600077743</id><published>2008-05-26T08:13:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T08:16:52.825-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>'Auch Van aendert sich'</title><content type='html'>Van, die sagenumwobene Stadt, muss einmal ein magischer Ort gewesen sein. Auf einem Berghügel gebaut, blickte sie auf den gleichnamigen See hinunter. Rundherum erstrecken sich Berge, auf deren Gipfeln teilweise noch Ende Mai Schnee liegt. Doch die Felder darunter sind grün, Schafe finden hier genug Nahrung. In Van drängten sich Kirchen und Moscheen zwischen den niedrigen Häusern in verwinkelten Gassen. Es gibt davon eine Fotografie, die ein deutscher Architekt vor etwa hundert Jahren gemacht hat. Urartäer, Seldschuken, Perser, Osmanen, Kurden und vor allem Armenier prägten das Stadtbild. Doch 1915, als Türken und Russen um die Vorherrschaft kämpften, kam es zu einem Aufstand der Armenier. Kurz darauf wurden sie vertrieben, viele von ihnen ermordet. Die Stadt wurde niedergemacht. Nur noch Ruinen der alten Festung, ein Minarett, eine Grabstätte und ein paar Inschriften auf einem Felsen zeugen von der tausende Jahre währenden älteren Geschichte Vans.&lt;br /&gt;Das neue Van wurde etwa fünf Kilometer weiter östlich neu aufgebaut. Es war auf 150.000 Menschen ausgelegt; mittlerweile ist es auf mehr als 600.000 Einwohner angeschwollen. Kurden, die im Zuge des Kampfes gegen die PKK aus ihren Dörfern vertrieben wurden, sind hier ebenso gestrandet wie iranische Flüchtlinge. Die Grenze zu ihrem Land ist gerade einmal 90 Kilometer weit entfernt.&lt;br /&gt;Einen Job zu finden, ist nicht einfach. Manche Männer gehen in der Früh zu einem Treffpunkt beim Basarviertel, wo sie von Vermittlern für einen Tag angeheuert werden, um etwa auf dem Bau zu arbeiten. Manche schicken ihre Kinder zur Arbeit. So arbeiten auch dreizehnjährige als Laufburschen in Geschäften oder Restaurants. Auf der Straße bieten kleine Buben Taschentücher oder geschmuggelte Zigaretten zum Kauf an, gehen mit einer schmutzigen Waage hausieren, auf der sich potenzielle Kunden wiegen lassen können. Das meiste Leben spielt sich an der Straße der Republik ab, mit ihren Geschäften, Lokalen und Internet-Cafes. Wunderbar sind die „Frühstücks-Salons“, wo es den mit Kräutern verfeinerten Otlu-Käse, cremigen Honig, Eierspeise mit Tomaten und endlos Tee gibt.&lt;br /&gt;Die Straßen sind voller Männer, die Ausländerinnen anstarren. Frauen, viele mit Kopftuch, sind weit seltener zu sehen, nach zehn Uhr abends so gut wie gar nicht. In zahlreichen Lokalen gibt es Abteilungen nur für Männer, mit Glück auch eine Sektion für Familien. Noch immer gehen viele Frauen nicht arbeiten, bleiben zu Hause mit den Kindern.&lt;br /&gt;Doch auch in Van ändert sich einiges, sagt mir M., ein 28-jähriger Kunststudent. Vor fünf Jahren noch wäre das nicht möglich gewesen, erklärt er und deutet zuerst auf sein Flinserl, dann auf sein Ziegenbärtchen. Ein junges Ehepaar, das ich kurze Zeit später in einem Lokal kennenlerne, bestätigt das. „Vor ein paar Jahren hätte ich nicht so einfach am Abend zusammen mit meiner Frau auf ein Bier gehen können“, versichert S.&lt;br /&gt;Dennoch sind M.s fünf Schwestern – er hat auch noch zwei Brüder – alle verheiratet und Hausfrauen. Als eine auf die Universität wollte, hat der Vater es nicht erlaubt. Wozu sei das denn notwendig? M. mag seinen Vater nicht besonders, er teilt dessen Einstellung nicht. Immer dieses Beten, alles als Schicksal hinnehmen, ob Kinderzahl oder Krankheit – damit kann M. wenig anfangen. Was er allerdings nach dem Studium macht, weiß er selbst noch nicht so recht. Am liebsten sei ihm Malen und Trinken, sagt er und lacht. Doch von Van aus als Maler zu reüssieren, sei unmöglich. Die Zukunft werde es weisen. Sich aber nur aufs Schicksal verlassen – das will M. nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-448746830600077743?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/448746830600077743/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=448746830600077743' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/448746830600077743'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/448746830600077743'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/auch-van-aendert-sich.html' title='&apos;Auch Van aendert sich&apos;'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-433789781200579953</id><published>2008-05-26T08:12:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T08:13:17.804-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Die Amerikaner sind schuld</title><content type='html'>Mit zwei Studenten und einem Anwalt aus Istanbul fahre ich in einem Minibus ins Sümela-Kloster, das etwa 40 Kilometer von Trabzon entfernt in einen Felshang gehauen wurde. Die Landschaft am Schwarzen Meer ist eine saftige, die Berge sind mit Wald bewachsen. Oft sind sie in Nebel getaucht, das Klima ist feucht. Es ist eine der wichtigsten Regionen für Haselnuss-Anbau in der Türkei; unweit von Trabzon gibt es sogar ein Haselnuss-Forschungsinstitut. Ö., der Chauffeur, liebt diese Gegend. Er ist hier geboren, hat aber 30 Jahre lang in Istanbul gewohnt und als Lkw-Fahrer gearbeitet. Doch dann hat er seine Wohnung verkauft und ist vor drei Jahren wieder nach Trabzon gezogen. „Hier ist die Luft besser, und die Menschen sind es auch“, sagt Ö. Hier würden Tomaten und Gurken besser gedeihen als anderswo; das Gemüse sei so gesund, dass du keine Medikamente brauchst. Und die Menschen: „Ich habe in Istanbul in 30 Jahren nur drei echte Freundschaften geschlossen. Hier aber kenne ich so viele Leute, und wir sind alle Freunde.“&lt;br /&gt;Doch die Arbeitslosigkeit sei ein Problem. Wie viele Menschen können schon vom Haselnuss-Anbau leben? Auch Fischer hätten es zunehmend schwer, weil es immer weniger Fische gebe. „Hier kannst du nur als Beamter oder Lehrer arbeiten“, meint Ö. In dem Dorf etwa, wo er seine Kindheit verbracht hat, sind fast alle Lehrer.&lt;br /&gt;Ö. macht mittlerweile keine langen Strecken mehr. Trabzon-Macka-Sümela: Fahrten in einem Radius von 50 Kilometern reichen ihm. Er selbst steigt ungern in einen Autobus. „In der Türkei sterben im Schnitt 50 Menschen täglich im Straßenverkehr“, erklärt er. Für lange Strecken nimmt er da lieber das Flugzeug. Der Anwalt ergänzt, dass es vor 30 Jahren noch gute Seeverbindungen gegeben hat im Schwarzen Meer. Doch dann hätten die Regierungen auf Druck der Amerikaner enorm viel Geld in den Straßenbau gesteckt, hätten den Betrieb zahlreicher Fähren eingestellt und den Ausbau des Eisenbahnnetzes völlig vernachlässigt. „Die Amerikaner“, glaubt Ö. „wollen nur, dass wir ihre Autos kaufen und bei ihnen Kredite aufnehmen.“&lt;br /&gt;Die Überzeugung, dass so vieles fremdgesteuert ist, dass ihr Land von anderen Mächten beeinflusst werde, ist bei Türken immer wieder zu finden. Es ist ein guter Boden für Verschwörungstheorien. Und manche entpuppen sich sogar als wahr. Militärs planen Staatscoups – und haben schon manches Mal welche ausgeführt. Es gibt einen Geheimdienst, den es offiziell gar nicht gibt. Polizisten können dich an jeder Straßenecke aufhalten und nach deinem Ausweis fragen. Extreme Nationalisten geben Morde an kurdischen Aktivisten in Auftrag. Dass auch andere Länder mitspielen und ihre Interessen in der Türkei verfolgen, scheint da gar nicht so weit hergeholt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-433789781200579953?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/433789781200579953/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=433789781200579953' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/433789781200579953'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/433789781200579953'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/die-amerikaner-sind-schuld.html' title='Die Amerikaner sind schuld'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1522696951955308507</id><published>2008-05-26T08:10:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T08:12:18.585-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Aus der Provinz</title><content type='html'>Auf der einen Seite das Schwarze Meer, auf der anderen die Ausläufer des Pontischen Gebirges: In einem Halbrund erstreckt sich die nordtürkische Hafenstadt Trabzon mit ihren rund 200.000 Einwohnern. Mehrstöckige moderne Apartmenthäuser schmiegen sich aneinander und die Hänge empor. Tiefer gelegen ist die Altstadt; sie ist vom Terrassencafe im sechsten Stock eines gläsernen Bürogebäudes am Atatürk-Platz ebenso zu sehen wie schneebedeckte Berggipfel in der Ferne.&lt;br /&gt;Trabzon versprüht den Charme einer Provinzhauptstadt. Einige alte Häuser sind renoviert und herausgeputzt. Die Ayasofya mit ihren Fresken und dem angeblich einzigen auf türkischem Boden verbliebenen byzantinischen Kirchenturm liegt in einem gepflegten Garten. Im Park sitzen Männer vor Teehäusern auf Plastiksesseln; in der Fußgängerzone flanieren junge Mädchen mit auf die Kleidung farblich abgestimmten Kopftüchern. Nach dem Unterricht schlendern 14-jährige in ihren Schuluniformen durch die Straßen; Laufburschen aus den Restaurants tragen auf Tabletts Teller mit Essen in danebenliegende Geschäfte.&lt;br /&gt;Und dann gibt es noch die Billigabsteigen in Hafennähe, die vorwiegend als Stundenhotels genutzt werden. Etliche Frauen aus Russland und anderen Ex-Sowjetrepubliken arbeiten hier als Prostituierte. Um fünf in der Früh gehen sie müde heim, kaufen noch schnell im Kiosk ums Eck Zigaretten und wechseln ein paar Sätze auf Türkisch mit dem Verkäufer.&lt;br /&gt;Unter den historischen Brücken, in den Gräben zwischen den alten Stadtmauern ducken sich ärmliche Viertel, die teilweise schon großzügig angelegten Parkanlagen weichen mussten. Kinder in abgetragenen Kleidern spielen auf Schotterhaufen zwischen den verfallenden Häusern, über deren flachen Dächern Wäscheleinen gespannt sind. S. wird mir später entrüstet erklären, dass die Menschen dort teilweise nicht einmal türkisch können, sondern nur kurdisch.&lt;br /&gt;Keiner der Studenten, die ich kennenlerne, mag Trabzon. Warum aber, können sie mir nicht so recht erklären. Es hat sie aus Gaziantep, Ankara oder Adana an die Karadeniz Technische Universität verschlagen. Sie sind entweder hier, weil einige Fakultäten der Hochschule – wo an die 45.000 Studenten inskribiert sind – einen guten Ruf genießen oder weil die Punktezahl bei der Aufnahmeprüfung nicht für eine andere Universität gereicht hat. S., eine hübsche quirlige Mathematik-Studentin, die oft und laut lacht, warnt mich vor den Männern in Trabzon. Die in kleinen Grüppchen Herumziehenden und in die Gegend Stierenden nennt sie Haie. M. wiederum, der Maschinenbau studiert, findet, die Stadt sei vor allem eines: fad.&lt;br /&gt;Auf dem Balkon aber sitzen die Studenten gern. So nennen sie die halbrunden betonierten Flächen im Park auf dem Campusgelände. Als wir zu sechst nach einem Open-Air-Konzert vor der Universität dorthin kommen, ist es nach Mitternacht. Von dem kleinen Hang aus beobachten wir die letzten Flugzeuge, die auf der Landebahn gegenüber dem Campus aufsetzen. Hinter den Lichterketten des Flughafens ist die Dunkelheit des Meeres. S. stimmt ein türkisches Lied an, die anderen schließen sich an. Es folgen die nächsten schwermütigen Weisen. Wieder einmal handeln die meisten von Liebe.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1522696951955308507?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1522696951955308507/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1522696951955308507' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1522696951955308507'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1522696951955308507'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/aus-der-provinz.html' title='Aus der Provinz'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1181396665575472365</id><published>2008-05-18T05:58:00.000-07:00</published><updated>2008-05-18T05:59:33.018-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Das 'hüzün'-Gefühl</title><content type='html'>Ob ich es auch spüre? Mit B., dem der Esoterik nahe stehenden Klarinettisten, sitze ich in einem der Lokale rund um Tünel, der den Abschluss der Istiklal Caddesi bildet. Diese Gegend habe ungeheuer viel Energie, erklärt mir B. Hier tue sich auch sehr viel. (Das habe ich nach einem nicht unbedingt an Schlaf reichen Monat im Kneipenviertel von Beyoglu auch schon bemerkt.) Seit tausenden von Jahren wollten die Menschen sich hier ansiedeln, kämpften miteinander um den Platz. Hier haben die Europäer ihre Häuser gebaut, die Griechen ihre Kirchen errichtet, die Juden und Armenier ihre Geschäfte eröffnet. Damit können die meisten türkischen Einwanderer von heute – und es sind derer so viele, dass ein Istanbuler Politiker einmal halb im Scherz laut über Visa für die Stadt nachgedacht hat – nichts anfangen, meint B. Sie spüren es nicht.&lt;br /&gt;Es ist aber auch viel verlorengegangen. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches, im Zuge des wachsenden und geschürten türkischen Nationalbewusstseins, nach den Vertreibungen vieler Griechen hat auch Istanbul einiges an kultureller Vielfalt eingebüßt. Die Kirchen werden kaum gepflegt; die Häuser, in die arme Familien aus dem Osten eingezogen sind, verfallen. Und noch etwas bedauert B.: den Verlust für die Literatur durch die Umstellung auf das lateinische Alphabet (für die ich persönlich Atatürk äußerst dankbar bin). Die alte Sprachmelodie lasse sich nicht so einfach übertragen; viele osmanische Werke seien gar nicht ins Türkische übersetzt worden. „Im Westen habt ihr eine Kontinuität, eine Entwicklung in der Literaturgeschichte“, sagt B. „Bei uns hat es einen Bruch gegeben. Wir haben keinen Dostojewski, und Schriftsteller wie Pamuk gibt es erst seit einigen Jahren. Unsere jetzige Literatur blickt gerade einmal auf 70 Jahre zurück.“&lt;br /&gt;Da ist es wieder, dieses „hüzün“-Gefühl. Die Melancholie, die auch Orhan Pamuk beschreibt, verspüren nicht nur ältere sondern auch 28-jährige Istanbuler wie B. Es ist diese leise Trauer ob des Verlustes eines prächtigen Reiches, einer wie verzauberten Stadt, die mittlerweile zu einer Metropole mit vielleicht 20 Millionen Einwohnern angeschwollen ist. Es ist das Bedauern darüber, dass der frühere Glanz für immer verlorengegangen ist, dass der alte Charme nicht mehr zu finden ist und stattdessen die Vernachlässigung überall sichtbar wird.&lt;br /&gt;Das könnten Wiener genauso gut verspüren, wenn sie die kaiserlichen Bauten am Ring betrachten. Oder die Warschauer, die ihre Stadt nach 1945 komplett neu aufbauen mussten. Wie so viele andere Orte in Europa wurden diese beiden Städte nach den Morden und Vertreibungen im Zweiten Weltkrieg nie wieder so wie früher.&lt;br /&gt;Dennoch scheint das „hüzün“-Gefühl sich am Bosporus besser entfalten zu können. Es gehört zum „Echter-Istanbuler“-Sein dazu.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1181396665575472365?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1181396665575472365/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1181396665575472365' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1181396665575472365'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1181396665575472365'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/das-hzn-gefhl.html' title='Das &apos;hüzün&apos;-Gefühl'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5131460135331553181</id><published>2008-05-18T05:57:00.001-07:00</published><updated>2008-05-18T05:58:24.401-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Ein Sonntag am Fluss</title><content type='html'>Das Büfe gegenüber, der Kiosk, wo es neben Zeitungen und Zigaretten auch Käse, Milch und Süßigkeiten zu kaufen gibt, kennt keinen Ruhetag. Ob Montag oder Samstag: Bis in die Morgenstunden steht der Besitzer hinter der Theke und manchmal vor der Tür. Auch der weißbärtige Schuhputzer ums Eck sitzt jeden Tag auf seinem wackeligen Schemel und poliert seinen Kunden die Schuhe. Dennoch scheint sich das Tempo in Beyoglu an einem Sonntag zu verlangsamen. Die Frisörläden füllen sich mit Männern, die sich um einen Euro rasieren lassen. Die nassen Handtücher trocknen auf Wäscheständern auf dem Gehsteig. Der Duft von Rasierwasser vermischt sich mit dem Gestank des Mülls, der unter den Hauseingang eines verlassenen Gebäudes gekehrt wurde. Vor den Teehäusern sitzen 50-Jährige auf Kindersesseln (wie A. die niedrigen Hocker nennt) und lesen die Sonntagszeitung. Auf der Istiklal Caddesi flanieren händchenhaltende Pärchen und laut lachende Teenager.&lt;br /&gt;Ein guter Tag, um an den Bosporus zu gehen, dachte ich mir. Ein Spaziergang am Ufer entlang, ein wenig Grün, Vogelgezwischer und so weiter. Das war der Plan. Den hatte allerdings nicht nur ich gefasst. Hunderttausende Menschen zieht es am Wochenende an den Bosporus. Die Energie, die die laute pulsierende Stadt raubt, gibt der Fluss wieder zurück. Familien packen ihre Picknickkörbe und machen eine Bosporus-Fahrt oder steigen ins Auto und suchen ein Plätzchen, um den Grill aufzustellen. Oder sie marschieren zu den paar Stellen, die den Blick auf den Fluss freigeben. Denn eine längere Uferpromenade gibt es zwischen Besiktas und Ortaköy auf der europäischen Seite nicht. So dränge ich mich mit all den tausenden anderen Menschen auf den Gehsteigen links und rechts der vierspurigen Straße, auf der die Autos im Stau stecken und hupen. Auf der einen Seite eine meterhohe Betonwand, hinter der sich Paläste verstecken. Auf der anderen Seite eingezäunte Grünflächen, die sich den Hügel rauf ziehen und militärisches Sperrgebiet oder versperrtes Universitätsgelände sind. Auf dem Gehsteig ein Hürdenlauf: den spärlich gesetzten Bäumen und Entgegenkommenden ausweichen, die Langsam-Spaziergeher überholen. Eine Stunde geht es so dahin, denn auch auf den Gehsteigen bildet sich Stau.&lt;br /&gt;Endlich kommt Ortaköy, der kleine Stadtteil rund um die barocke Moschee, der sich im Schatten der Hängebrücke über den Bosporus duckt. Auf der Piazza vor der Fähranlegestelle scheuchen die vorbeiziehenden Menschen die Tauben auf. Die Eintreiber vor den zahlreichen Lokalen preisen die Terrassen an, die in den engen Häusern über steile Treppen zu erklimmen sind. Und dann sitzt du dort und beobachtest, wie Yachten, Ausflugsboote, Containerschiffe und Tanker ihre in der untergehenden Sonne schimmernden Spuren durch den Bosporus ziehen. Auf der gegenüberliegenden asiatischen Seite gehen die ersten Lichter an. Die Dämmerung sinkt auf die Stadt. Und in der Nacht verwandelt sich Istanbul in ein blinkendes Lichtermeer, das durch die dunkle Schleife des Bosporus geteilt wird. Die Hängebrücke, die Europa und Asien verbindet, erstrahlt in Dutzenden Farben: Die Lampen wechseln von Rot zu Grün, zu Blau, zu Violett. Wie eine Perlenkette mit unzähligen senkrecht fallenden Schnüren schwebt das beleuchtete Brückengeländer über dem Fluss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5131460135331553181?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5131460135331553181/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5131460135331553181' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5131460135331553181'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5131460135331553181'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/ein-sonntag-am-fluss.html' title='Ein Sonntag am Fluss'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-2872001619165947406</id><published>2008-05-18T05:53:00.000-07:00</published><updated>2008-05-26T08:19:48.345-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Türkische Maenner und auslaendische Frauen</title><content type='html'>Neben den politischen und wirtschaftlichen Aspekten gibt es da noch eine Frage, die mich beschäftigt: Warum glauben so viele türkische Männer, dass die meisten Ausländerinnen Schlampen sind? A. hat eine interessante Theorie entwickelt: Im Harem des Sultans waren viele Sklavinnen zu finden. Doch muslimische Frauen durften nicht versklavt werden, also waren es zum Beispiel Griechinnen. Vielleicht rührt das sexuelle Interesse an Ausländerinnen noch aus der Zeit? Doch A. ist eine Frau, und daher ist ihre Erklärung eine rationale. Um die – nennen wir’s – Emotionen zu ergründen, habe ich eine kleine Umfrage unter türkischen Männern gestartet.&lt;br /&gt;O., ein Architekt, der sich eine Ukrainerin zur Frau genommen hat (die seit ihrer Ankunft in Istanbul ziemlich unglücklich ist, weil sie bei seinen Eltern wohnen muss und alleine so gut wie gar nicht außer Haus gehen soll), findet: „Mit Ausländerinnen ist es leichter. Türkische Frauen sind komplizierter: Wir geben alles für sie, und sie erhören uns nicht.“ Heißt das, Ausländerinnen seien leichter zu haben? Nein, nein, so habe er das nicht gemeint, dementiert O. Türkische Männer stieren Frauen halt an.&lt;br /&gt;S., der in einer Bank arbeitet, sieht die fehlende Bildung als Ursache. Wenn die Menschen gebildeter sind, Bücher lesen, ins Kino gehen, reisen und mehr kennenlernen als ihre kleine Welt, dann entwickeln sie auch ein normaleres Verhältnis zu Leuten aus anderen Ländern. Und kurze Zeit später legt S., der Bücher liest, ins Kino geht und reist, mir seine Hand auf den Oberschenkel.&lt;br /&gt;B. wiederum, ein Musiker mit Hang zu Esoterik, erklärt mir, dass ich schon selber wie eine türkische Frau klinge. Ich würde nämlich ebenfalls so viel hinterfragen, obwohl doch den Menschen etwas mehr Naivität gut tun würde. Dann aber versucht B. doch, eine Antwort auf meine Frage zu finden. Türken hätten teilweise einen Sexualkomplex, sagt er. Einerseits mühen sie sich, westliche Muster anzunehmen, auf der anderen Seite aber sind sie in alten Strukturen gefangen. Sie wollen, können aber nicht so, wie sie möchten. Außerdem war in der osmanischen Zeit Vielweiberei gang und gäbe. Das wirke noch fort. Ist zwar keine Entschuldigung, würde aber A.s historische Theorie unterstützen.&lt;br /&gt;M. jedoch, ein Kellner, der seine Berufung in der Schauspielerei sieht und „nur übergangsweise“ in einer Bar arbeitet, meint, es sei gar nicht so. Keinesfalls würden Ausländerinnen alle als Schlampen angesehen. Dann schaut er mir tief in die Augen und fragt, ob ich mit zu ihm komme.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-2872001619165947406?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/2872001619165947406/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=2872001619165947406' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2872001619165947406'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2872001619165947406'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/trkische-maenner-und-auslaendische.html' title='Türkische Maenner und auslaendische Frauen'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-9089864125218822130</id><published>2008-05-18T05:51:00.000-07:00</published><updated>2008-05-18T05:53:16.188-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Auf dem Heimweg</title><content type='html'>Gedränge auf der Fähre nach Kadiköy. Es ist halb sieben abends, ein Wochentag, die Menschen fahren von der Arbeit heim, auf die asiatische Seite. Die langen Holzbänke auf dem offenen Oberdeck sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Die meisten Reisenden sind ermüdet, sie haben vielleicht noch einen langen Weg vor sich. In Kadiköy besteigen sie einen der Busse oder Minibusse und fahren noch eine Dreiviertelstunde in eine der Hochhaussiedlungen, die auf den Hügeln südlich des Bosporus eilig hochgezogen wurden. Dort ist es ruhiger als auf der europäischen Seite, weniger gedrängt, grüner. Dort haben sich auch mehr Migranten aus Ostanatolien angesiedelt, haben ihre vom Patriarchat geprägten Strukturen mitgebracht und ihre Kopftuch tragenden Frauen nachgeholt. Doch finden sich dort auch schicke Viertel wie Kadiköy selbst, mit seinen zahlreichen Lokalen, eleganten Einkaufsstraßen und dem am Mittelmeer gelegenen Park, in dem sich im Schatten der Nacht Liebespaare küssen.&lt;br /&gt;Für die Menschen auf der Fähre ist die Überquerung des Bosporus der tägliche Weg, in die Arbeit und dann wieder nach Hause. Was sie dabei sehen, übt für die meisten keine Faszination mehr aus.  Gleichgültig gleitet das Auge an der Silhouette Istanbuls vorbei, am Stadtteil Beyoglu mit dem markanten Galata-Turm, an der Landesspitze mit dem weitläufigen Topkapi-Palast, hinter dem sich Hagia Sophia und Sultanahmet-Moschee erheben, an den Tankern, die auf die Überfahrt warten.&lt;br /&gt;Die Stadt hat so viele nicht wegen ihrer Sehenswürdigkeiten angezogen, sondern wegen der Arbeitsmöglichkeiten. Die Banken, die Unternehmen, die ausländischen Vertretungen haben ihren Sitz in Istanbul. Menschen, die ihr Geld in Lokalen ausgeben wollen, brauchen Kellner, Köche und Sänger. Die haben in der Woche nur selten mehr als einen freien Tag, und ein Arbeitstag hat leicht 12 Stunden. Das Mindestgehalt in der Türkei beträgt an die 230 Euro, davon ist eine Wohnung in Istanbul kaum zu haben. Die Menschen weichen auf die asiatische Seite aus, wo die Unterkünfte billiger sind. In den noblen Vierteln auf der europäischen Seite kostet allein die Miete im Monat so viel wie ein kurdischer Muschelverkäufer in einem halben Jahr verdient. Bis spät in die Nacht steht der Mann a einem Straßeneck an der Istiklal Caddesi, bietet dem durch die Lokale ziehenden jungen Publikum die mit einer Reispaste gefüllten Muscheln an. Wenn ein Grüppchen stehen bleibt, sucht er ein paar Muscheln aus, öffnet sie, beträufelt sie mit Zitrone, reicht eine nach der anderen seinen Kunden, die gleich essen, zahlen und ins nächste Beisl gehen. Erst um drei, vielleicht vier Uhr nachts räumt der Verkäufer zusammen, nimmt das riesige Blechtablett vom hölzernen Ständer, klappt diesen zusammen, klemmt ihn unter den Arm und macht sich auf seinen Heimweg.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-9089864125218822130?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/9089864125218822130/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=9089864125218822130' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/9089864125218822130'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/9089864125218822130'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/auf-dem-heimweg.html' title='Auf dem Heimweg'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-8819963751764106594</id><published>2008-05-01T23:00:00.000-07:00</published><updated>2008-05-06T05:09:46.772-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Mit Gasmasken zur Arbeit</title><content type='html'>Am 1. Mai nehmen Kameraleute und Pressefotografen Gasmasken mit zur Arbeit. Denn da gibt’s in Istanbul Wickel. Demonstrationen auf dem zentralen Taksim-Platz sind verboten. 1977 wurden dort bei der Mai-Kundgebung 35 Menschen getötet, durch Schüsse aus einem der umliegenden Hotels und zu Tode getrampelt in der danach entstandenen Panik. Drei Jahre später, nach einem Militärcoup, wurde der 1. Mai als Feiertag abgeschafft. Das Tauziehen zwischen den Gewerkschaften und der Regierung um den 1. Mai währt seit damals; der Kampf um den Taksim-Platz hat sich in den vergangenen Jahren verschärft.&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften haben angekündigt, trotz Verbot mit hunderttausenden Menschen zum Taksim-Platz zu ziehen. 30.000 Polizisten stehen dort bereit. Der sonst verkehrsumtoste Platz, zu dem sechsspurige Straßen führen, ist abgeriegelt; keine Autos, keine Menschen werden durchgelassen. In Autobussen und teils in Flugzeugen wurden die Polizisten dort hingekarrt. Sie tragen Helme und panzerartige Westen, die Gasmasken und Gummiknüppel halten sie bereit. Auf der Istiklal Caddesi, wo sonst von Taksim aus ein Meer an Köpfen zu sehen ist, haben sie mehrere Blockaden aufgebaut. In den Kaffeehäusern und Kiosken sind die Rollos runtergelassen. Die Tischchen vor den Lokalen sind verschwunden. Polizeihubschrauber kreisen über der Stadt.&lt;br /&gt;Obwohl die Gewerkschaften am späten Vormittag – nachdem die Polizei eine Demonstration in einem anderen Stadtteil mit Tränengas und Wasserwerfern aufgelöst hat – ihren Plan aufgeben, zum Taksim-Platz zu ziehen, versuchen einzelne Gruppen durchzudringen. In einer der engen Gassen, die zur Istiklal führen, formieren sie sich. Es sind großteils junge Menschen. Knapp vor der Istiklal entrollen sie ein rotes Transparent und beginnen zu skandieren. Ein paar Jugendliche auf der Istiklal applaudieren. Einer hebt einen Stein vom Boden auf, zerschlägt ihn in zwei Hälften, steckt sie in die Hosentaschen. Sekunden später – die Gruppe ist auf der Istiklal angelangt – fliegen Flaschen und Steine auf die umliegenden Gebäude, der nächstgelegene Polizeitrupp hat sich in Bewegung gesetzt, ich spüre das Tränengas. Mit einem Fotografen ducke ich mich in einem Hauseingang. Die Bewohner lugen hinter der verschlossenen Haustür hervor. Auf einmal rennt ein Grüppchen von Menschen an uns vorbei, einige flüchten in das danebengelegene Kaffeehaus. Die Gäste dort lassen die Tür offen, damit die Menschen reinkönnen. Doch dahinter rollen schon die Polizisten heran. Sie rauschen an uns vorbei, und ich frage mich, ob ich auch Prügel abbekomme, weil die Gummiknüppel völlig wahllos zuschlagen. Einige Polizisten stürmen in das Kaffee, treiben die Menschen auf die Straße, packen einige am Kragen, schlagen um sich. Ein Mann, dem das Blut über die Stirn rinnt, stolpert, kniet auf dem Boden. Ein Polizist drischt weiter mehrmals auf ihn ein, auf die Brust, den Rücken. Eine junge Frau schreit und weint; ein Kameramann läuft zu ihr hin, um eine Großaufnahme von ihrem Gesicht zu machen. Sie wendet sich ab, schreit ihn an. Mehrmals hebt das Gebrüll der Polizisten und Demonstranten an, schwillt wieder ab. Mehrmals laufen noch Menschengruppen hustend und mit verschwollenen Gesichtern durch die Gassen vor den Tränengas-Schwaden davon.&lt;br /&gt;Am späten Nachmittag erst ziehen die Demonstranten und Polizisten ab und die Flanierenden in die Istiklal wieder ein. Am Abend ist die gläserne Front von Benetton, die Steine fast zertrümmert hätten, wieder repariert. Die Polizei soll an diesem Tag 1700 Tränengasbomben verbraucht haben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-8819963751764106594?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/8819963751764106594/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=8819963751764106594' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8819963751764106594'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8819963751764106594'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/05/mit-gasmasken-zur-arbeit.html' title='Mit Gasmasken zur Arbeit'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1317904415609693768</id><published>2008-04-28T10:15:00.000-07:00</published><updated>2008-05-06T05:00:13.152-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>FUSSBALL!</title><content type='html'>Selten entspricht das Klischee der Realität, doch bei der Fußballleidenschaft in der Türkei ist es der Fall. Es ist tatsächlich so: Die Treue zu einem Verein gleicht einem Glaubensbekenntnis. Ob Besiktas-, Galatasaray- oder Fenerbahce-Fan; es ist ein Teil der eigenen Identität. Und wenn zwei dieser Istanbuler Teams gegeneinander antreten, herrscht Ausnahmezustand in der Stadt. So auch beim gestrigen Superliga-Spiel, als Galatasaray Spitzenreiter Fenerbahce herausforderte. Schon am frühen Nachmittag füllen sich die Straßen mit Menschen, die ihre Sympathie nach außen tragen. In der Fußgängerzone der Istiklal Caddesi, wo auch das mächtige Galatasaray-Gymnasium steht, überwiegen die Fans der Löwen. Die gelb-roten Schals und Trikots leuchten von weitem. Auch die Kellner in den Cafes rund um den Taksim-Platz haben sie bereits angelegt. Nur eine Kellnerin bildet eine Ausnahme: Sie trägt ein gelb-dunkelblaues Band um den Hals; sie hält zu Fenerbahce. Vor den Wettannahmestellen bilden sich Schlangen. Im Hotel werde ich gebeten, den Tisch aus meinem Zimmer herzuborgen: Im Restaurant und in der Lobby werden alle vorhandenen Tische für das abendliche Publikum vor dem Fernseher zusammengestellt. Auf dem Taksim-Platz postieren sich mehrere Polizei-Einheiten und Wagen des Roten Halbmondes.&lt;br /&gt;Die Lokale verdienen doppelt: Sie verlangen Eintritt. Der kostet zehn Lira, fast so viel wie drei Bier. Du zahlst also Eintritt, damit du mit anderen Verrückten in einem schäbigen Beisl vor einem Fernseher – die Plätze vor dem Großbildschirm sind schon alle besetzt – hocken und dir den Hals verrenken kannst, weil du neben einer Säule sitzt und ausgerechnet jetzt einer der wenigen Türken auftaucht, der größer ist als du und sich prompt vor dich setzt. Und dann kommt das übliche Schreien, Stöhnen und Seufzen bei einem Match, nur halt etwas lauter und von in die Höhe schellenden Armen begleitet. Auf das Tor für Galatasaray in der 37. Minute folgt minutenlanger Jubel. Es bleibt beim eins zu null.&lt;br /&gt;Nach Ende des Spiels leert sich das Lokal innerhalb von fünf Minuten. Aber die Menschen gehen keinesfalls zufrieden heim, doch nicht nach einem Sieg! Eine halbe Stunde später zieht eine Gruppe Galatasaray-Fans durch die Istiklal Caddesi, schwenkt Fahnen, schlägt Trommeln. Der Gesang schwillt an, gelb-rot weht durch die Straße. Auf einmal hockelt sich eine Gruppe nieder, einer schreit etwas vor, die anderen schreien es nach. Bald stehen sie wieder auf, und der Triumphzug setzt sich erneut in Bewegung.&lt;br /&gt;2002, nach dem Einzug der türkischen Nationalmannschaft ins WM-Halbfinale, hat es sieben Tote gegeben. Sie wurden von Autokonvois durchgeknallter Fans überrollt. Zwei Dutzend Menschen wurden verletzt, weil sie Freudenschüssen im Weg gestanden waren.&lt;br /&gt;Das Superliga-Spiel forderte diesmal keine Todesopfer.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1317904415609693768?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1317904415609693768/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1317904415609693768' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1317904415609693768'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1317904415609693768'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/fussball.html' title='FUSSBALL!'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-3617539085555305964</id><published>2008-04-23T13:14:00.000-07:00</published><updated>2008-04-23T13:17:39.477-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Ein Alltag</title><content type='html'>Wenn ich in der Früh auf den Balkon hinaustrete, steht der Mann, der in der Schneiderei gegenüber arbeitet, bald am Fenster und winkt mir zu. Es ist heiß in dem Raum, in dem ein Dutzend Männer an irgendwelchen Maschinen steht. Mein Fensterbekannter trägt daher leider nur ein Unterhemd über der Hose. Letztens hat er mir über die Straße eine Tasche angeboten. Zum Kauf? Als Geschenk? Keine Ahnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein geliebter türk kahvesi kostet manchmal mehr als das ganze Frühstück davor. Im übrigen lässt es sich in Istanbul sehr billig essen, wenn jemandem ein Imbissstand a la Würstelbude genügt. Dafür kostet der Eintritt in eine Disco das Zehnfache einer solchen Mahlzeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem Innenhof hat ein Buchhaendler alte Taschenbücher auf einem Gestell vor seinem Laden drapiert. Eine Katze hat sich einen besonders sonnigen Stapel ausgesucht. Sie hat sich zusammengerollt und schlaeft auf den Büchern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit meiner chinesischen Kurskollegin gehe ich auf einen Kaffee. Sie trinkt Cola, ich trinke Bier. Wir unterhalten uns auf Türkisch, und da unser Wortschatz sehr eingeschränkt ist, sprechen wir über das, was wir in einfache Worte fassen können: über Männer. Da habe es schon ein paar gegeben, sagt G. Und, ja, es gebe durchaus hübsche Türken in Istanbul. Aber jetzt schaue sie nur einen an. G. ist erst seit wenigen Monaten verheiratet. Ihr Mann ist Ujgure und nach Istanbul wegen seiner Weiterbildung gekommen. Sie hat ihn beim Arzt kennengelernt: Er war der Arzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soviel verstehe ich schon: „Ist sie allein gekommen?“ fragt ein Kellner den anderen im Restaurant. Ich will einfach nur in Ruhe zu Abend essen. Doch die Menschen sind meist zu freundlich, um das zu erlauben. Daher erkläre ich, woher ich komme und was ich hier mache. Und schon bietet sich der nächste Kellner an, mir Nachhilfeunterricht zu geben. In Türkisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Möwen, die in der Nacht über Istanbul fliegen, strahlen. Sie sind von den Lichtern der Stadt beleuchtet.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-3617539085555305964?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/3617539085555305964/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=3617539085555305964' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3617539085555305964'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3617539085555305964'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/ein-alltag.html' title='Ein Alltag'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-4557364984210697740</id><published>2008-04-23T13:05:00.000-07:00</published><updated>2008-04-23T13:10:56.455-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Vier Polizisten in Zivil</title><content type='html'>S. erzählt mir von ihren Erfahrungen mit Polizeigewalt in Istanbul. Es war während des vergangenen Ramazan – muss also irgendwann im September gewesen sein. Mit zwei Freundinnen war sie um vier in der Nacht mit dem Taxi unterwegs nach Hause. Auf einmal hielt ein Polizeiauto den Wagen an. Zwei Polizisten stiegen aus, verlangten von den jungen Frauen einen Ausweis. Sie haben das Recht dazu. Doch die Bürger wiederum haben das Recht, den Beamten zu sagen, sie sollen sich selbst ausweisen. Das taten die Frauen doch glatt. Leichte Verärgerung bei den Polizisten, dann zeigte einer einen Ausweis, verdeckte dabei aber sowohl Namen als auch Foto. „Wir wollen den ganzen Ausweis sehen“, forderte S. „Wir sind in Uniform, fahren einen Polizeiwagen. Das muss euch genügen“, war die schon sehr ungeduldige Antwort. Auf einmal hielt ein anderes Auto an, vier Männer stiegen aus, erfassten die Situation schnell. Und handelten: Sie fingen an, die Frauen zu beschimpfen, sie zu stoßen und gegen das Taxi zu werfen. Der Taxifahrer versuchte zu vermitteln, eine von S.s Freundinnen wollte die Polizei rufen. Denn die, die da war, tat nichts. Schließlich wurden die Frauen ins Taxi gestoßen und konnten fahren. Wie sich dann herausstellte, waren die Angreifer ebenfalls Polizisten – in Zivil. Anscheinend wollten sie ihren Kollegen „zu Hilfe“ kommen, nachdem sie gesehen hatten, dass sonst nichts gegen die Frauen vorliegt. Das sagte S. ein Anwalt, den die Freundinnen kurz danach konsultierten. Machen lasse sich allerdings gegen die Polizisten nichts, erklärte er. Die Frauen hätten ja keinen medizinisch bestätigten Schaden davongetragen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-4557364984210697740?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/4557364984210697740/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=4557364984210697740' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4557364984210697740'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4557364984210697740'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/vier-polizisten-in-zivil.html' title='Vier Polizisten in Zivil'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1996881419831817230</id><published>2008-04-23T12:59:00.000-07:00</published><updated>2008-04-23T13:04:47.465-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Musik, Melancholie und die Folgen</title><content type='html'>Bei der Musik gibt es gar keine andere Möglichkeit: Du musst dich verlieben. Selbstverständlich unglücklich – und jeden zweiten Tag in jemand anderen (nur jeden zweiten? fragt H. am Telefon). Denn die Auswahl ist groß. Die erste Leidenschaft in Istanbul war Powertürk selbst. Das könnte ich mir schon zum Frühstück reinziehen. Der Musikkanal ist voll der wehmütigen Weisen, die meist von Liebe handeln, die alles mögliche ist: Berge versetzend, Meere überwindend, den Schlaf raubend, heftig, stark, ewig – aber meist nicht erfüllt und manchmal nicht einmal erwidert. Zum Pulsadern aufschneiden, wie es ein spanischer Kurzzeit-Bekannter formulierte. Er konnte den türkischen Pop nicht ausstehen. Ich aber kann dem durchaus etwas abgewinnen. Da gibt es zum Beispiel ein Musikvideo von Tarkan, in Schwarz-Weiß gehalten, wo der Mann im halb aufgeknöpften Hemd im Regen steht. Der rinnt ihm wasserfallartig über den Kopf, die ausgebreiteten Arme, über die Brust. Dann steht er hinter einem verregneten Fenster und singt schmachtend. Ich bin nicht sicher, an wen sich das Video tatsächlich richtet, wahrscheinlich sollen aber Frauen angesprochen werden. Wie auch immer, die Melancholie hängt in der Luft. Doch anders als jene von Orhan Pamuk beschriebene, die vom Wehmut über den Verlust eines strahlenden Reiches geprägte, ist diese Melancholie von Sexuellem durchtränkt. Die Männer schauen dir tief in die Augen, flöten dir blumige Texte ins Ohr. Haben sie die aus den Musikvideos gelernt oder den türkischen Schnulzenfilmen der 70er-Jahre? Die Frauen sehen umwerfend aus, mit ihren schwarzen Haaren, dunklen Augen und ihrem selbstbewussten Auftreten. Die Männer begrüßen einander mit Küssen, die Frauen fallen einander in die Arme, alle werfen sich Kosenamen wie – frei übersetzt – „mein Lebenshauch“ oder „mein Herz“ zu. In Beyoglu sind die in der Nacht Herumziehenden zu einem wesentlichen Teil jung, hübsch und vergnügungssüchtig. Mithineingezogen zu werden ist nicht schwierig. Ich kann quasi gar nichts dafür...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1996881419831817230?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1996881419831817230/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1996881419831817230' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1996881419831817230'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1996881419831817230'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/musik-melancholie-und-die-folgen.html' title='Musik, Melancholie und die Folgen'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-4803240747297514221</id><published>2008-04-23T12:56:00.000-07:00</published><updated>2008-04-23T12:59:14.179-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><title type='text'>Ein Parkplatz!</title><content type='html'>Parken um Mitternacht in Beyoglu: Zumindest für die Zuseher ist es interessant. Die engen Gassen sind voller Menschen, die auf der Suche nach dem für sie passenden Lokal sind. Trotzdem schaffen es die Autofahrer noch, ihre Gefährte langsam dazwischen zu bewegen, um dann links und rechts der bevölkerten Fahrbahn zu parken. Die Spiegel sind eingeklappt, zwischen der Hausmauer und der Autotür ist nur etwas mehr als eine Handbreit Platz. Jemand hat noch eine Lücke entdeckt. Doch auf einmal ist ein Problem da: Der Wagen kann sich nicht mehr bewegen. Er ist eingeklemmt. Hinter ihm sind plötzlich zwei Autos; vor ihm, aus der Gegenrichtung in der einzigen Fahrspur kommend, drei. Der Besitzer des Dönerladens, der sowieso meist auf der Straße steht, ist sofort zur Hilfe bereit. Er versucht, das auf der Straße eingeklemmte Auto irgendwie zu dirigieren. Der Friseur vom Geschäft nebenan gibt den nachfolgenden Wagen Zeichen. Ein Junge, der gerade vorbeikommt, ruft den Lenkern, die von der Gegenrichtung kommen, etwas zu. Zwei Fahrer steigen aus, beraten kurz. Ein paar andere Menschen schauen zu. Ein Auto schiebt zwanzig Zentimeter zurück, ein anderes fährt 30 Zentimeter nach rechts. Der Parkplatzsuchende fährt mit Mühe in die Lücke an der Hausmauer. Zwischen ihr und dem Wagen könnte nicht einmal mehr eine der streunenden Katzen hindurchschlüpfen. Ein Fahrer schiebt noch mehr zurück, ein anderer kann vorbeifahren; alles geschieht unter lauten Zurufen des Publikums. Irgendwie löst sich der kleine Stau auf, irgendwann – so wie immer in Istanbul.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-4803240747297514221?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/4803240747297514221/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=4803240747297514221' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4803240747297514221'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4803240747297514221'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/ein-parkplatz.html' title='Ein Parkplatz!'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-6031942700136940308</id><published>2008-04-11T02:10:00.000-07:00</published><updated>2008-04-11T02:12:24.599-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Philosophie zum Bier</title><content type='html'>Philosophie ist für einen Muslim nichts gutes, befand einst ein islamischer Gelehrter. Kein Wunder, dass sich auf diesem Gebiet in den letzten paar hundert Jahren mehr in Europa getan hat als im islamischen Raum. Mein neuer Bekannter U., der mir das erklärt, wirft gleich ein paar Namen dazu: Descartes, Hobbes oder Kant etwa. Wir sitzen bei einem Bier in der menschenumtosten Nevizade-Straße und sind vom Kellner schon zweimal umgesetzt worden, weil in dem winzigen Schanigarten Platz für eine größere Gruppe zu schaffen war.&lt;br /&gt;U. ist ein entzückender junger Mann, der Philosophie studiert hat, sich jetzt aber mehr mit Wirtschaft beschäftigt, als Sportjournalist arbeitet und seine Freizeit – im Normalfall – gern mit seinen Eltern sowie Geschwistern verbringt. Sein Studium habe ihn von der Religion entfernt, sagt er. Er sei zwar weiterhin Muslim, aber kein strenger, fast schon an der Grenze zum Atheismus. „Muslim ja, aber…“ ist im übrigen in der Türkei immer wieder zu hören, vor allem in den Städten, wo nicht nur Arm und Reich aufeinanderprallen sondern auch verschiedene Volksgruppen mit ihren Kulturen, Jugendliche aber gleichzeitig den Stars in den Musikvideos mehr abschauen als traditionelleren Vorbildern. U. ist ein hübsches Beispiel für die Durchmischung in dem Land. Sein Vater ist Kurde, seine Mutter kommt aus Aserbaidschan. Doch selbst er sagt voller Überzeugung: „Von Minderheiten in der Türkei zu sprechen ist Blödsinn. Wir sind doch alle Türken.“ Diese Ein-Staat-ein-Volk-Ideologie wird den Kindern ab ihrem ersten Schuljahr vermittelt. Sie soll das Einigende in einem Land sein, das auf der Suche nach seiner Identität seit 80 Jahren zwischen Ost und West schwankt; das sich die – keinesfalls von allen gewünschte – „Verwestlichung“ auf die Fahnen geschrieben hat. Sie ist eine Philosophierichtung für sich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-6031942700136940308?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/6031942700136940308/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=6031942700136940308' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/6031942700136940308'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/6031942700136940308'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/philosophie-zum-bier.html' title='Philosophie zum Bier'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-8077555797274712063</id><published>2008-04-11T02:07:00.000-07:00</published><updated>2008-04-11T02:10:00.563-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Zimmer mit Ausblick</title><content type='html'>Der Ausblick hat mich blind für alles andere gemacht. Von dem winzigen Balkon aus ist halb Istanbul zu sehen, fast bis zum Bosporus. Das Häusermeer ist auf der einen Seite, auf der anderen schaue ich vom fünften Stock in die engen Gassen von Beyoglu hinunter. Ich sehe die gelben Taxis, die sich in der Nacht mitten auf der Straße zu einer Schlange auffädeln; die kleinen Geschäfte, die Getränke und Zigaretten, Reinigungsmittel oder noch warmes Weißbrot verkaufen; die Straßenhändler, die ihre Handkarren schieben; die Lokale vor denen niedrige Tischchen stehen und die Menschen, die untertags vorbeieilen und am Abend herumschlendern. Auch das Zimmer ist nett mit seiner Dachschräge und in warme Farben getaucht. Und es ist sauber. Nach all den Absteigen, die ich gesehen habe und die schon für zehn Euro die Nacht zu haben sind, stört es mich kaum, dass die Duschkabinentür mir vielleicht bald entgegenfliegt oder der Vorhang etwas zerrissen ist. Das mit dem Schlafen habe ich mir sowieso schon abgeschminkt, vom Zimmer neben der Baustelle bin ich halt mitten ins Weggeh-Viertel gezogen. Immerhin wird das Gehupe um vier in der Nacht etwas weniger; bleiben dann drei, vier Stunden, bevor es wieder voll losgeht.&lt;br /&gt;Allerdings habe ich schon drei Mitbewohner getötet: zwei Ameisen und eine Schabe. Dass es eine Schabe war, nehme ich zumindest an. Diese Frage diskutierte ich in der Nacht mit dem Patron des Hotels, der mit einer Wow-Blondine auf einen Whiskey vorbeigekommen ist. Selbstverständlich sprachen wir türkisch. Zuerst erklärte ich ihm in fluent turkish, dass im Zimmer „Leben“ ist. Dann erinnerte ich mich an das Vokabel für „Tiergarten“. „Hayat“ und „Hayvanat“ liegen ja wirklich nahe zusammen. Danach bückte ich mich und zeigte mit den Fingern auf dem Boden Schritte an. Schließlich zeichnete ich das Tier in meinem Lehrbuch auf. Die Begleiterin des Patrons hat viel schneller begriffen als er. Am Ende klärten wir noch ab, welche Farbe das Insekt hatte: braun, nicht schwarz. Danach waren wir alle sehr zufrieden, dass wir uns so gut verstanden haben und rauchten eine letzte Zigarette. Das muss doch reichen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-8077555797274712063?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/8077555797274712063/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=8077555797274712063' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8077555797274712063'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8077555797274712063'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/zimmer-mit-ausblick.html' title='Zimmer mit Ausblick'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1386006955603539239</id><published>2008-04-11T02:01:00.000-07:00</published><updated>2008-04-11T02:07:07.251-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Zu viele "ü"</title><content type='html'>Sprachunterricht zu geben muss ziemlich nervenaufreibend sein. Zu viert sitzen wir Neslihan gegenüber, die sich unser Gestammel anhört. „Ütülülüjejeüjüejiüjü“ jammern wir. Rauskommen soll: „Ütüleyeyim mi?“ und „ütülemeyelim“ – „Soll ich bügeln?“ und „Lasst uns nicht bügeln.“ Intensiv sollte es ja sein. Aber gleich so? Im Türkisch-Kurs wird tatsächlich nur Türkisch gesprochen. Neben mir nehmen noch eine Ukrainerin, eine Russin und eine Chinesin am Unterricht teil. Sie alle sind nach Istanbul gezogen, weil ihre Männer hier Arbeit angenommen haben. In den Pausen sprechen die Ukrainerin und die Russin miteinander russisch, die Chinesin und ich lächeln einander an, versuchen es mit türkisch und kehren dann zum lächeln zurück. Am dritten Tag habe ich allerdings ein Erfolgserlebnis: Ich warte vor dem besetzten Klo, eine andere Frau kommt dazu. Ihre Frage verstehe ich – und das auf Anhieb: „Warten Sie?“ Ich nicke glücklich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1386006955603539239?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1386006955603539239/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1386006955603539239' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1386006955603539239'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1386006955603539239'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/zu-viele.html' title='Zu viele &quot;ü&quot;'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-6275536864271327347</id><published>2008-04-06T07:03:00.000-07:00</published><updated>2008-04-08T03:01:27.422-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Reden über Politik</title><content type='html'>„Du bist allein? Setz dich zu uns!“ Als Frau allein in Ruhe ein Bier zu trinken, ist auch in Istanbul nicht immer einfach. Schon sitzt du an einem Tisch mit drei Sportjournalisten und der eine erklärt dir, wie nett dich der andere findet. Um abzulenken, kannst du von Fußball reden – oder von Politik. Bei beiden Themen wallen die Gefühle auf. Das erste ist durchaus positiv und mit Stolz durchtränkt: Immerhin hat das Istanbuler Team Fenerbahce erst vor wenigen Tagen Chelsea geschlagen. Bei der Politik aber – uffuffuff, wie manche Türken seufzen. Die drei Männer sind Kemalisten, und auch darauf verweisen sie mit Stolz. „Wenn du an die Türkei denkst: Welcher große Name fällt dir als erster ein?“ fragt C. Und antwortet gleich selbst: Mustafa Kemal Atatürk. Für den würde er sein Leben hingeben, sagt er. C. ist 26 Jahre alt, und er würde für Atatürk sterben. Der Republikgründer ist seit 70 Jahren tot, aber weiterhin allgegenwärtig – nicht nur deswegen, weil sein Porträt in allen öffentlichen Räumen zu sehen ist sowie auf allen Geldmünzen und –scheinen prangt. An seiner Person werden auch unzählige politische Debatten aufgehängt. Für manche Kemalisten ist dabei die Argumentation recht einfach: Sie hüten die Prinzipien von Säkularismus und Modernisierung, wie es Atatürk aufgetragen hat. Sie formulieren es auch so. Die regierende Partei AKP hingegen verrät diese Leitlinien. Das Kopftuch-Verbot an Universitäten soll fallen? „Das ist für uns absolut unakzeptabel“, stellt C. klar. „Wir sind nicht der Iran“, fügt U. hinzu. „Wir werden das nicht zulassen.“&lt;br /&gt;U. hat auch eine Erklärung dafür, warum fast die Hälfte der Türken die AKP gewählt hat. „Die Leute sind wie Schafe. Sie folgen dem, der sie ruft. Viele haben keine Bildung, noch dazu sind ihre Stimmen gekauft.“&lt;br /&gt;A. hat sich während der Diskussion stark aufs Biertrinken konzentriert und will die Debatte abschließen: „Scheiß auf die Politik.“ Ein Lokalwechsel steht an.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-6275536864271327347?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/6275536864271327347/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=6275536864271327347' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/6275536864271327347'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/6275536864271327347'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/reden-ber-politik.html' title='Reden über Politik'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-4127836728255541997</id><published>2008-04-06T06:59:00.000-07:00</published><updated>2008-04-08T03:01:27.423-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Die naechstgelegene Baustelle</title><content type='html'>Schlafen ist in Istanbul zum Abgewöhnen. Nicht nur wegen der Lokale, der kleinen Kneipen und feinen Clubs, die es unmöglich machen einfach am Abend heimzugehen, selbst wenn der beste Vorsatz da ist. Nicht nur wegen des Verkehrslärms und des Gehupes, das schon so früh beginnt, dass es verwunderlich ist, wie viele Menschen schon wach sind. Auch wegen der Bauarbeiten. Die können gar kein Ende nehmen in einer Stadt, die ständig wächst. Die nächstgelegene Baustelle ist fünf Meter von meinem Hotelzimmer entfernt. Ein altes Gebäude wurde abgerissen, ein neues muss her. Gebaggert wird auch in der Samstagnacht, um Mitternacht, um eins, um zwei. Das Schürfen in der Erde, das Piepsen des zurücksetzenden Lkw, die Schreie an den Fahrer „Gel, gel!“ – „Komm!“: Es ist unentwegt zu hören.&lt;br /&gt;Am Sonntag Vormittag ist die Baustelle eine der größeren Attraktionen in den umliegenden zwei, drei Gassen. Ein halbes Dutzend Männer sieht den Arbeiten zu, raucht Zigaretten, kommentiert. Ein Page aus einem der umliegenden Hotels steht in seiner rotgoldenen Uniform vor einem Steinhaufen. Einer aus dem Publikum hilft ein paar Bretter über die Baustelle zu tragen, ein anderer legt mit Hand an, um die schwere Plastikplane zu befestigen, die über den mit Erde befüllten Lkw gelegt wird. Auf einmal fängt es an zu nieseln. Behäbig gehen die Männer auseinander, ohne Eile schlendern sie weiter, die Hände in den Hosentaschen. Die kleinen Teehäuser füllen sich.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-4127836728255541997?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/4127836728255541997/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=4127836728255541997' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4127836728255541997'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4127836728255541997'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/die-naechstgelegene-baustelle.html' title='Die naechstgelegene Baustelle'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5637352052270808889</id><published>2008-04-06T06:48:00.000-07:00</published><updated>2008-04-08T03:01:27.424-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ein April in İstanbul'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Notizen aus der Türkei'/><title type='text'>Nicht kommunizieren geht nicht</title><content type='html'>Diese Stadt ist nicht zu fassen. Istanbul, der Kosmos mit seinen 15, vielleicht auch 20 Millionen Einwohnern, mit seinen osmanischen Legenden, seinen Verfallserscheinungen und dem gierigen Wachstum, den Klischees rund um den Orientexpress und die Hippies, die in den 60er-Jahren hier auf ihrem Weg nach Indien Halt machten. Im Grunde ist es aber auch eine Ansammlung vieler Städtchen und vieler kleiner Geschichten. Und gäbe es eine Steigerungsform von unmöglich, wäre es in Istanbul unmöglicher nicht zu kommunizieren als in vielen anderen Städten.&lt;br /&gt;Wie in einem Dorf, wo sich ebenfalls viel Leben auf der Straße abspielt, ist es in den einzelnen Vierteln so gut wie ausgeschlossen, keinem Freund, Cousin oder Kollegen zu begegnen. Die Zeitungslektüre vor dem Teehaus wird für eine Plauderei unterbrochen, der Gehilfe wird ums Eck zum Zigarettenholen geschickt.&lt;br /&gt;Die Anonymität der Großstadt ist in den gläsernen Geschäftsvierteln zu finden, aber auch dort kann es vorkommen, dass durch die Straßen eilende Geschäftsleute stehen bleiben, weil sie einen Bekannten getroffen haben. Ein „Merhaba“, ein Hallo und kurzes Händeschütteln reicht da nicht, ein paar Sätze muss man schon wechseln.&lt;br /&gt;Im Stadtteil Sultanahmet – das viele Reisende nicht einmal verlassen, weil dort Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia oder der Große Bazar sind – gibt es vor den Lokalen eigene Kommunikationsbeauftragte. Sie sollen Touristen dazu bringen, in das Restaurant reinzukommen. Sie müssen mit allen Mitteln die potenziellen Kunden in ein Gespräch verwickeln – und sei es, indem sie eine Schwester erfinden, die (welch Zufall!) den gleichen Namen trägt wie die Vorbeigehende.&lt;br /&gt;Die Familie kommt auch beim Handeln oft ins Spiel. Im Geschäft zeigt sich der Verkäufer unglücklich, dass seine Kinder verarmen, wenn er mit dem Preis so weit runtergeht. Im Hotel gibt es einen Preisnachlass, „den nicht einmal mein Vater bekommt, wenn er mich besucht“, sagt der Rezeptionist. Das Feilschen, das Übertreiben und Überreden, das Verdienen wollen: Wo viele Menschen hinkommen, gehört es dazu.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5637352052270808889?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5637352052270808889/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5637352052270808889' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5637352052270808889'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5637352052270808889'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/04/nicht-kommunizieren-geht-nicht.html' title='Nicht kommunizieren geht nicht'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-599483676324685825</id><published>2008-01-07T04:17:00.000-08:00</published><updated>2008-01-07T04:19:08.444-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='kaffeehaus-katastrophen'/><title type='text'>Heimatlose Bettnässer</title><content type='html'>H. sagt, wenn zwei Frauen gemeinsam weggehen, dann um Typen aufzureißen. Stimmt nicht. Sie wollen sich unterhalten. Dass ihnen dann Typen über den Weg laufen, nehmen sie in Kauf. Manchmal nehmen sie sie auch mit.&lt;br /&gt;Die Menschen, die von Lokal zu Lokal ziehen und nicht heimfinden, nennt H. heimatlose Bettnässer. Das stimmt. Aber manche mögen’s so. Ich gehöre sogar dazu. Nicht jeder hat mit 30 Jahren Frau oder Mann, zwei Kinder und einen Hund im gerade auf Kredit gekauften Eigenheim sitzen, zu denen er oder sie nach der Arbeit eilen will. Andererseits wäre das Leben auch nicht ärmer ohne so manche Unterhaltung, die in Lokalen geführt wird.&lt;br /&gt;Da sitzt du zum Beispiel an der Bar im „Europa“ (und du brauchst keine zweite Frau, um Typen aufzureißen), trinkst in Ruhe dein Bier und auf einmal bist du flankiert von zwei Männern. Zu deiner Linken platziert sich der „Ich arbeite bei einer Versicherung, aber es gefällt mir eigentlich nicht so gut dort“-Typ; zu deiner Rechten sitzt ein Student, der dich um Zigaretten anschnorrt (er armer Student, du arbeitende Frau, also kein Problem). Beide sind sympathisch. Der eine schwärmt von deinen grünen Augen – die sind zwar blau, aber schieben wir es auf die spärliche Beleuchtung. Der andere erklärt dir, wie interessant ältere Frauen sind. Du bist zwar 33 und nicht 53, du lächelst dennoch altersmilde.&lt;br /&gt;Und dann wollen beide den Rivalen loswerden. Sie flüstern dir die Frage ins Ohr, was du eigentlich von dem anderen Typen willst.&lt;br /&gt;Es reicht. Du gehst. Nice try, Burschen. Aber diesmal nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-599483676324685825?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/599483676324685825/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=599483676324685825' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/599483676324685825'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/599483676324685825'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/heimatlose-bettnsser.html' title='Heimatlose Bettnässer'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-2905686210529672902</id><published>2008-01-07T04:15:00.000-08:00</published><updated>2008-01-07T04:16:04.454-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='kaffeehaus-katastrophen'/><title type='text'>„Na, so allein hier?“</title><content type='html'>„Du hast es gut“, sagen Männer. „Du bist eine Frau.“ Das sagen sie nur, wenn es um Aufrisse geht. Einkommensunterschiede hin, Geschlechterrollen her – als Frau kannst du leichter einen Mann aufreißen als Männer eine Frau aufreißen können. Undenkbar, dass ein Mann macht, was eine Frau machen kann: Augenkontakt aufnehmen, dann zu dem Typen hingehen und in ironischem Ton fragen: „Na, so allein hier?“&lt;br /&gt;Oder ein Getränk spendieren: Es kommt einfach besser, wenn eine Frau den Barkeeper beauftragt, einen Drink über den Tresen wandern zu lassen als wenn es ein Mann macht. Das gleiche gilt, wenn es die Frau ist, die einem Mann nach einer halben Stunde Eingangsgeplänkel in die Augen schaut und fragt: „Zu dir oder zu mir?“&lt;br /&gt;So machen sich Männer viel mehr Gedanken über den perfekten Anmach-Spruch als Frauen. Ein Bekannter hat die Lösung für sich gefunden. „Der beste Spruch“, behauptet er, „ist noch immer der einfachste. Du gehst hin und sagst Hallo.“ Einverstanden, nur muss dann auch etwas Intelligentes nachkommen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-2905686210529672902?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/2905686210529672902/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=2905686210529672902' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2905686210529672902'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2905686210529672902'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/na-so-allein-hier.html' title='„Na, so allein hier?“'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-1453777313214965191</id><published>2008-01-07T04:13:00.000-08:00</published><updated>2008-01-07T04:14:37.297-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Achtung: Lebensweisheit'/><title type='text'>Sport</title><content type='html'>M. hat jahrelang Karate geübt. K. hat sich als Aerobic-Trainerin Geld fürs Studium verdient. A. geht klettern (ist seit ein paar Jahren total in Mode). B., C., D., E. und F. gehen laufen (das gehört einfach dazu). Ich bin ein Loser. Ich mache keinen Sport. Ich habe sogar Radfahren verlernt – mit ein bisschen Disziplin geht das.&lt;br /&gt;Dennoch bin ich letztens am Berg gelandet. Es war mehr ein Hügel, aber egal. Der Weg zur Hütte sei ein Familienspaziergang, wurde mir versichert. Es gingen ja auch tatsächlich Jungfamilien mit ihren drei- bis fünfjährigen Kindern rauf, ältere Paare und auch Hochschwangere. Alle, wie es sich gehört, in ihren Goretex-Jacken, den luftdurchlässigen aber wasserabweisenden Hosen, den festen Wanderschuhen und maschinengestrickten Mützen. Und mittendrin ich: mit meinem Alpaka-Mäntelchen, den Stiefeln über der Jeans (ich konnte meine Wanderschuhe nicht finden) und dem Hut, der so wunderbar warm ist.&lt;br /&gt;Kein Wort darüber, wie ich die paar Höhenmeter überwunden habe, wie ich gekeucht habe, wie sehr die noble Blässe im Gesicht einer seltsamen roten Farbe gewichen ist.&lt;br /&gt;Ich bin nun mal keine Jungfamilie, kein Kind, kein älteres Paar und keine Hochschwangere. Ich bin nun mal eine Stadtpflanze. Ich brauche die Natur nicht und auch nicht die körperliche Ertüchtigung. Ich brauche mein Kaffeehaus, mein Lokal, mein Bier und meine Zigarette. Und genau das habe ich mir drei Stunden nach dem Hügelberg im „Engländer“ geholt. Gut, Alkohol mag keine Lösung sein. Aber (Achtung: Lebensweisheit): Sport ist es auch nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-1453777313214965191?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/1453777313214965191/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=1453777313214965191' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1453777313214965191'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/1453777313214965191'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/sport.html' title='Sport'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-838951395511721221</id><published>2008-01-07T04:11:00.000-08:00</published><updated>2008-01-15T04:04:45.927-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Achtung: Lebensweisheit'/><title type='text'>Hip sein</title><content type='html'>Kein Mensch, der hip ist, würde heutzutage „hip“ sagen (abgesehen davon, dass es laut neuer Rechtschreibung mit doppel-p geschrieben werden müsste, und dann würde es „hipp“ heißen). „In“ klingt schon besser, ist aber auch schon veraltet. Doch wer, der älter als 25 ist, kann „krass“ oder „fett“ sagen? Wir bleiben also kurz bei „in“. Wie auch immer, vor kurzem klagte K., dass es schade sei, nicht mehr so hip zu sein wie früher. Damals, als die Veranstaltungen, die in FM4 beworben wurden und zu denen man hingegangen ist, wirklich in waren und du mittendrin im In-Sein. Damals, als einem der „Falter“ sagte, was angesagt ist.&lt;br /&gt;Ich war leider niemals in. Deswegen kann ich es nicht beklagen, dass ich es nicht mehr bin. Das hat was Beruhigendes.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-838951395511721221?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/838951395511721221/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=838951395511721221' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/838951395511721221'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/838951395511721221'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/hip-sein.html' title='Hip sein'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-8203809979838105876</id><published>2008-01-07T04:05:00.000-08:00</published><updated>2008-01-16T04:39:34.585-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Achtung: Lebensweisheit'/><title type='text'>Älterwerden</title><content type='html'>Ich kann es nicht mehr hören. Dieses Gejejere ums Älterwerden. Wenn du die 30 überschritten hast, kommst du nicht drumherum – weil alle Altersgenossen glauben, du musst das doch auch so empfinden. Die Haut wird schlaffer, die sexuelle Attraktivität sinkt. Blablabla. Schlimm genug, dass sich in der Arbeit S. und M. darüber unterhalten, dass Zur-Maniküre-Gehen ab einem bestimmten Alter notwendiger wird. Aber das Thema verfolgt mich bis an die Bar. Da sitze ich letztens mit O. in einem Lokal. Nein, noch ein Bier geht nicht, höre ich. Und dann kommt’s: Ja, früher, da haben wir viel besser saufen können. Was haben wir für Festl g’schmissn! Früher war der Kater auch nicht so schlimm. Früher sind wir überhaupt viel mehr fortgegangen. Aber jetzt steckt das der Körper nicht mehr so leicht weg. Auf den muss man dafür jetzt besser achten. Es ist ja immer schwieriger, die Figur zu halten. Ach ja, ob ich B. gesehen habe? Gerade von einer Wellness-Kur zurückgekommen. Richtig aufgeblüht. Während ich mir das anhöre, bestelle ich noch ein Bier.&lt;br /&gt;Habe ich schon erwähnt, dass S., M., O. und B. Männer sind?&lt;br /&gt;Im übrigen (Achtung: Lebensweisheit von Karl Valentin): Früher war sogar die Zukunft besser.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-8203809979838105876?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/8203809979838105876/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=8203809979838105876' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8203809979838105876'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/8203809979838105876'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/lterwerden.html' title='Älterwerden'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-4859487756558963038</id><published>2008-01-07T04:04:00.000-08:00</published><updated>2008-01-07T04:10:27.181-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='kaffeehaus-katastrophen'/><title type='text'>Tiger und Thermometer</title><content type='html'>Cafe Prückel, Samstagnachmittag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein alter Mann schlurft herein. Vornübergebeugt setzt er langsam und in kleinen Schritten einen Fuß vor den anderen. Neben einem freien Tisch schält er sich mühsam aus seinem langen grauen Mantel. Er lässt sich nieder und bestellt einen Kaffee. Bedächtig schaut er sich um. Bald kommt sein Bekannter, ein Mann um die Fünfzig, der viel redet und sich eine Kanne Tee kommen lässt.&lt;br /&gt;Der alte Mann zeigt ihm ein Thermometer, das er sich gerade gekauft hat. Der Begleiter nimmt es, zieht es aus der Plastikhülle, wendet es. Dann taucht er es in seine Teekanne. Er will prüfen, ob es das Thermometer zerreißt. Das Thermometer zerreißt es. Der alte Mann schaut betroffen.&lt;br /&gt;Der jüngere Mann ruft die Kellnerin und erklärt ihr die Lage. „Mir ist da was passiert. Ich wollte das Thermometer hochjagen und habe es in den Tee getunkt. Schütten Sie ihn am besten sofort weg. Denn da ist Quecksilber drin, und das ist giftig. Die Kanne schmeißen Sie am besten auch gleich weg. Und mir bringen’s bitte einen neuen Tee.“ Die Kellnerin nimmt die Kanne, geht ohne Wort weg, unbeeindruckt.&lt;br /&gt;Der alte Mann bricht auf. Sein Begleiter hilft ihm in den Mantel. „Sie hatten doch mal so einen schönen Pelzmantel“, sagt er zum alten Mann. „Wo haben’s den?“ Der ist kaputtgegangen.&lt;br /&gt;Der alte Mann schlurft raus. Ohne Pelzmantel, ohne Thermometer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cafe Moskva, Helsinki, ein Uhr nachts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Finnland ist es manchmal seltsam. Das zeigt Aki Kaurismäki in seinen Filmen ja auch (übrigens ist einer seiner wundervollen Schauspieler, der aus „Der Mann ohne Vergangenheit“, gerade erst 51-jährig gestorben).&lt;br /&gt;Der erste Finne, den ich vor Jahren kennengelernt habe, hat mir erzählt: „Wir Finnen reden nicht viel. Wenn wir zusammenkommen, sitzen wir da, schweigen und trinken. Und dann fangen wir an zu weinen.“&lt;br /&gt;Und dann ist da noch dieses geduldige Warten. Die Leute stehen in der Nacht an der Straße und warten auf ein Taxi. Dabei bilden sie eine geordnete Schlange, das ist das Seltsame daran. Zuvor kann es im Cafe Moskva – wo zwei Frauen und ein Mann am Tisch sitzen, trinken und die anderen Gäste betrachten – zu solchen Gesprächen kommen:&lt;br /&gt;Sie: Die hat Tiger auf ihrem Leiberl.&lt;br /&gt;Er: Ja. Die hat Tiger auf dem Leiberl.&lt;br /&gt;Sie: Sag ich ja.&lt;br /&gt;Er: Eh.&lt;br /&gt;Sie: Aber ich hab’s zuerst gesagt.&lt;br /&gt;Er: Ja eh.&lt;br /&gt;Sie 2 schaltet sich ein: Ich find Tiger super.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-4859487756558963038?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/4859487756558963038/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=4859487756558963038' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4859487756558963038'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/4859487756558963038'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/tiger-und-thermometer.html' title='Tiger und Thermometer'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-5188855193200503243</id><published>2007-11-21T06:15:00.000-08:00</published><updated>2008-01-05T08:31:42.976-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='türkei'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><title type='text'>"Die EU will uns nicht? Na und?"</title><content type='html'>&lt;div class="imgdivfloat"&gt;&lt;div&gt;    &lt;table class="bildtable" left="5px" valign="top" style="vertical-align: top; text-align: right; float: right; margin-bottom: 10px;" align="right" border="0" cellpadding="0" cellspacing="1" width="160"&gt; &lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;tr&gt;&lt;td align="left"&gt;&lt;p class="small" style="margin-bottom: 5px;" width="160"&gt;   &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;    &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div style="width: 160px; vertical-align: top; float: right; clear: right;"&gt;&lt;!--LinkSpace--&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://www.wienerzeitung.at/bilder/wz2003/rainbowallgemein/wzfeld.gif" alt="Aufzählung" title="Aufzählung" height="8" width="8" /&gt; Istanbul lebt nach eigenen Regeln – das Tauziehen um einen EU-Beitritt der Türkei rückt da in den Hintergrund.&lt;br /&gt;&lt;div class="wieparagraph"&gt;&lt;br /&gt;Der Vorraum des Klub Mansion ist goldgelb tapeziert. Die Türsteher in dem Lokal in einem der eleganteren Bezirke Istanbuls tragen Anzug und Krawatte. Innen zieht sich die Bar in einem Rechteck um eine Säule. Die Decke ist mit Spiegelplatten ausgelegt; vor der Bühne stehen helle Ledersofas und niedrige Couchtische. &lt;/div&gt; &lt;p&gt;Dort haben die Prominenten ihre Plätze reserviert: eine Sängerin mit langen blonden Haaren und langen dünnen Beinen, die später um einen Auftritt gebeten wird; ein voluminöser Fernsehmoderator, der all seine Bekannten überschwänglich mit Küsschen begrüßt und seiner Begleiterin ständig an den Hintern fasst; vier um einen der Stehtische drapierte Models, die an ihren bunten Cocktails nippen. Die hochgewachsenen Frauen ziehen die Blicke der Männer auf sich. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Show fängt nicht vor ein Uhr nachts an. Zu den Klängen der türkischen Band erscheinen drei Transvestiten und eine Frau, mit Perücken, knappen Lederröcken oder -hosen und Schuhen auf 30 Zentimeter hohen Plateausohlen. Sie bewegen sich durch den Zuschauerraum, schäkern mit den Gästen, animieren sie zum Tanzen. Danach richtet sich die Aufmerksamkeit der Besucher wieder auf die Bühne, auf die in grüne Seide gehüllte Bauchtänzerin. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Trotz der orientalisch angehauchten Darbietung, trotz der sehnsuchtsvollen türkischen Lieder – die Türkei mit Männern, die auf armseligen Stühlen kettenrauchend im Kaffeehaus sitzen und ihre Gebetskette durch die Finger gleiten lassen, sowie Kopftuch tragenden Frauen, die ihre Einkaufstaschen nach Hause schleppen, ist von diesem Ort ebenso weit entfernt wie von Helsinki oder Brüssel. Schicker als in den feinen Klubs von Istanbul kann es weder in Paris noch in London zugehen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das ist die eine Seite der Stadt. Die andere zeigt sich in den Slums, in den über Nacht gebauten Hütten, aus denen die Bewohner schrittweise ausquartiert werden sollen und wo die Stromversorgung immer wieder zusammenbricht. In den überfüllten Quartieren der Immigranten und der irakischen Flüchtlinge, die auf eine Weiterreise nach Kanada warten. An den winzigen Verkaufsständen der Kurden, die ihre Dörfer in Südostanatolien räumen mussten und nun gefüllte Muscheln anbieten. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die längste Ausdehnung Istanbuls beträgt mehr als 100 Kilometer; offiziell leben dort knapp zehn Millionen Menschen. Doch schätzungsweise sind es 13 oder 15 Millionen. Wer kann das schon genau wissen? Das wären fast doppelt so viele Einwohner wie in ganz Österreich; oder beinahe die Bevölkerung Tschechiens und der Slowakei zusammengenommen. Alle sechs Minuten soll in Istanbul ein neuer Mensch auftauchen, meist auf der Suche nach Arbeit. Istanbul ist mehr als eine Metropole; es ist ein strahlender Kosmos, in dem so manche Hoffnung verglüht. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Stadt hat ihre eige-nen Regeln und ihre eigenen Probleme. Die von Mustafa Kemal Atatürk ab den 1920er Jahren forcierte Orientierung nach Westen hat solide Wurzeln geschlagen. Die türkische Wirtschaft mit ihrem siebenprozentigen Wachstum pro Jahr, intensiven Handelsbeziehungen zu westeuropäischen Ländern und steigender Attraktivität für ausländische Investoren ist bereits in der Europäischen Union angelangt. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Das politische Tauziehen um einen EU-Beitritt der Türkei scheint da eine geringere Rolle zu spielen. Und während die EU-Staaten über eine Integration des Landes diskutieren, flacht das Interesse vieler Türken daran schon wieder ab. Haben noch vor zwei Jahren, beim Start der Beitrittsverhandlungen, an die 70 Prozent der Befragten in der Türkei eine EU-Mitgliedschaft ihres Landes befürwortet, ist in manchen Umfragen mittlerweile nicht einmal jeder Zweite dafür. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Im Klub Mansion fasst es die 29-jährige Bank-Analystin Pinar in knappen Sätzen in fließendem Englisch so zusammen: "Die EU will uns nicht? Na und? Wen kümmert’s?" Dann schüttelt sie ihr rabenschwarzes langes Haar und singt beim nächsten türkischen Lied wieder mit. &lt;/p&gt;   &lt;p class="klein" align="right"&gt;Mittwoch, 21. November 2007&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4555&amp;amp;Alias=wzo&amp;amp;cob=313190&amp;amp;currentpage=0"&gt;http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4555&amp;amp;Alias=wzo&amp;amp;cob=313190&amp;amp;currentpage=0&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-5188855193200503243?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/5188855193200503243/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=5188855193200503243' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5188855193200503243'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/5188855193200503243'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2007/12/grenzgnge-trkei.html' title='&quot;Die EU will uns nicht? Na und?&quot;'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-2200812343640817071</id><published>2007-11-14T08:54:00.000-08:00</published><updated>2008-01-05T08:58:55.143-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='rumänien'/><title type='text'>Die Schattenseiten der lichten Kulturhauptstadt</title><content type='html'>&lt;div class="imgdivfloat"&gt;&lt;div&gt;    &lt;table class="bildtable" left="5px" valign="top" style="vertical-align: top; text-align: right; float: right; margin-bottom: 10px;" align="right" border="0" cellpadding="0" cellspacing="1" width="160"&gt; &lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;  &lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;tr&gt;&lt;td align="left"&gt;&lt;p class="small" style="margin-bottom: 5px;" width="160"&gt;   &lt;/p&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;    &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div style="width: 160px; vertical-align: top; float: right; clear: right;"&gt;&lt;!--LinkSpace--&gt;&lt;/div&gt; &lt;div class="author" style="padding-bottom: 3px;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt; &lt;div class="wieparagraph"&gt;&lt;img src="http://www.wienerzeitung.at/bilder/wz2003/rainbowallgemein/wzfeld.gif" alt="Aufzählung" title="Aufzählung" height="8" width="8" /&gt; Sibiu (Hermannstadt) steht heuer im BlickpunktEuropas und hofft, irgendwann davon zu profitieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Seiten von Sibiu, die Elena zeigt, sind in keiner Tourismusbroschüre zu finden. Die junge Frau führt weg von den herausgeputzten Häuschen im Zentrum des alten Hermannstadt. Die mittelrumänische Stadt ist noch bis Jahresende europäische Kulturhauptstadt, und dafür hat sie sich feingemacht. &lt;/div&gt; &lt;p&gt;Doch nicht für alles haben die rund 100 Millionen Euro gereicht, die Sibiu in die Infrastruktur steckte. Und nicht alles war rechtzeitig fertig. Das Bahnhofsgebäude aus der K.u.K-Zeit war im Herbst noch nicht renoviert. Eine Umfahrungsstraße für Sibiu gibt es wegen finanzieller Zwistigkeiten mit der Regierung in Bukarest noch nicht. Und frisch gestrichene Fassaden glänzen gerade einmal in der Altstadt. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Schwierigkeiten gibt es auch mit der Kanalisation. Die ist in dem Viertel am Rande Sibius, wo Elena arbeitet, so gut wie gar nicht vorhanden. Wenn es stark regnet, können die Rinnen am Straßenrand das Wasser nicht mehr auffangen und gehen über. Wie um dem Unbill gemeinsam zu trotzen, schmiegen sich die niedrigen Häuser aneinander. Eines der größeren Gebäude ist die Schule, in der Elena Geschichte unterrichtet. Im kleinen verfallenden Schuppen daneben war noch vor zehn Jahren die Toilette untergebracht. Mittlerweile müssen die Schüler – im Alter von bis zu 14 Jahren – aber nicht mehr rausgehen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Ihren Arbeitsplatz verlassen, um arbeiten zu können, muss aber immer wieder Elena. Sie und ihre Kollegen gehen dann in die benachbarte kleine Siedlung aus Holz- oder Wellblechhütten und fragen, wo ihre Schüler bleiben. Es ist eine Roma-Siedlung. "Fast 90 Prozent unserer Schüler sind Roma", erzählt Elena. Nicht immer seien aber die Eltern schuld, dass ihre Kinder die Schule schwänzen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Elena braucht viel Geduld. Manche ihrer Schüler hätten extreme Lerndefizite. Und wenn sie gefragt werden, warum sie nicht lernen, zucken sie mit den Schultern und antworten: "Weiß nicht." "Aber wenn du einen talentierten, intelligenten Schüler hast, dann ist das die Belohnung", sagt die Lehrerin. Sie mag ihre Arbeit, auch wenn sie schlecht bezahlt ist. Sie will die Kinder nicht sich selbst überlassen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Zwanzig Minuten mit dem Auto von dem Viertel entfernt residiert Bürgermeister Klaus Johannis in dem frisch renovierten Rathaus, das 1902 als Sitz der Sächsischen Bodenkreditanstalt erbaut wurde. Die Siebenbürger Sachsen machen in Hermannstadt mittlerweile gerade einmal etwa 1,5 Prozent der 180.000 Einwohner aus – doch seit der Gemeinderatswahl 2004 stellen sie zwei Drittel der Stadträte. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Was von der Kulturhauptstadt bleiben wird? Johannis zählt auf: "Die Infrastruktur, die renovierten Häuser, die Freiluftbühne, die Festivals, die weitergeführt werden." Ebenso hofft er, dass der Tourismus – bisher eine irrelevante Einnahmequelle – künftig ein wesentlicher Wirtschaftszweig für die Stadt werden wird. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Vom wirtschaftlichen Aufschwung werden früher oder später wohl auch die ärmeren Viertel von Hermannstadt profitieren. Auch Elena findet, dass es gut für Sibiu war, Kulturhauptstadt zu werden. Selbst wenn nicht alles rechtzeitig fertig geworden ist. &lt;/p&gt;   &lt;p class="klein" align="right"&gt;Wiener Zeitung, Mittwoch, 14. November 2007&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-2200812343640817071?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/2200812343640817071/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=2200812343640817071' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2200812343640817071'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2200812343640817071'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2007/11/die-schattenseiten-der-lichten.html' title='Die Schattenseiten der lichten Kulturhauptstadt'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-2480301440566473483</id><published>2007-10-31T09:06:00.000-07:00</published><updated>2008-01-05T09:17:28.302-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='polen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><title type='text'>"Die kommen zurück" - oder auch nicht</title><content type='html'>&lt;div class="imgdivfloat"&gt;&lt;div&gt;    &lt;table class="bildtable" left="5px" valign="top" style="vertical-align: top; text-align: right; float: right; margin-bottom: 10px;" align="right" border="0" cellpadding="0" cellspacing="1" width="160"&gt; &lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;tr&gt;&lt;td align="left"&gt;&lt;p class="small" style="margin-bottom: 5px;" width="160"&gt;   &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;    &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div style="width: 160px; vertical-align: top; float: right; clear: right;"&gt;&lt;!--LinkSpace--&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div class="wieparagraph"&gt;&lt;img src="http://www.wienerzeitung.at/bilder/wz2003/rainbowallgemein/wzfeld.gif" alt="Aufzählung" title="Aufzählung" height="8" width="8" /&gt; Die massenhafte Emigration meist junger Menschen wird in Polen nicht immer als Problem angesehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht ist es das Älterwerden, vielleicht die Tatsache, dass die Kinder nicht mehr zu Hause wohnen, vielleicht auch etwas anderes – Irena sehnt sich nach ihrer Heimat. Die 52-Jährige lebt seit 20 Jahren in Berlin, doch sie stammt aus der ostpolnischen Stadt Mielnik, wo noch ihre Mutter wohnt. Dort, am Ufer des Flusses Bug, inmitten von Feldern und Wäldern und unweit der Grenze zu Weißrussland, ist es viel ruhiger als in der deutschen Metropole. "Es zieht mich dorthin, wo ich herkomme", sagt Irena. &lt;/div&gt; &lt;p&gt;Die Emigration habe sie viel gekostet, erzählt sie. Dass ihr Ehemann – den sie beim Studium in Schlesien kennengelernt hatte – deutsche Wurzeln hat, hat sie nicht einmal bei der Hochzeit gewusst. Doch bald bekam er die Möglichkeit auszureisen – und nutzte sie. Er überzeugte seine Frau, in Berlin ein neues Leben aufzubauen. Zunächst arbeitete sie in einer Schokoladefabrik, büffelte Deutsch. Erst nach Jahren konnte sie ihren Beruf als Buchhalterin in einem kleinen Unternehmen ausüben. Sie zog eine Tochter und einen Sohn groß, bevor sie krank wurde und eine Rente beziehen musste. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Kinder haben nun ihre eigenen Familien, der Mann ist zufrieden mit seinem Leben in Deutschland, und Irena denkt immer öfter darüber nach, ob sie nach Polen zurückkehren soll. Andererseits: Was solle sie dort machen? Schließlich leben die Kinder und Enkel in Deutschland. "Soll ich dann jedes Jahr die gleiche Reise wie jetzt zu meiner Mutter machen, nur in umgekehrter Richtung?", fragt sich Irena. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Die Frau gehört nicht zu den geschätzten zwei Millionen Menschen, die erst in den vergangenen drei Jahren aus Polen emigriert sind. Doch die Fragen, die sich Irena stellt, betreffen auch diese Auswanderer. Denn nur ein Teil von ihnen kehrt lediglich für ein paar Monate Saisonarbeit im Ausland der Heimat den Rücken. Andere haben sich darauf eingerichtet, in Großbritannien oder Irland zu bleiben. Ihre Kinder gehen dort in die Schule; und ab und zu für ein paar Tage nach Polen zu reisen, ist dank der Billigfluglinien auch kein Problem. Warum also jetzt schon an Rückkehr denken? &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Einer Umfrage unter 1389 Personen zufolge geben 55 Prozent der Polen in Großbritannien und 49 Prozent in Irland an, überhaupt nicht zurückkommen – oder erst in fünf, zehn Jahren darüber nachdenken zu wollen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Im Land selbst werden die Klagen von Unternehmen wie Baufirmen unterdessen lauter: Es mangelt an Arbeitskräften. Zwar sind die realen Löhne in den vergangenen Jahren um bis zu 20 Prozent gestiegen. Doch ist der Verdienst, auch in weniger qualifizierten Jobs etwa im Bau- oder Hotelwesen, im Ausland noch immer bis zu vier Mal höher als in Polen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dennoch wird die Emigration der meist jungen Menschen in Polen nicht immer als Problem angesehen. "Die kommen ja zurück", meint etwa ein konservativer Spitzenpolitiker. "Polen hat genug Arbeitskräftepotenzial, nur ist die Beschäftigtenquote zu niedrig", sagt ein Ökonom: "Die Menschen im Land sollten zum Arbeiten motiviert und nicht beispielsweise in Frühpension geschickt werden." Und eine begeisterte Europäerin aus der Vertretung der EU-Kommission in Warschau frohlockt: "Europa rückt durch Mobilität zusammen. Polen, die nach Großbritannien gehen, bringen den Briten Polen näher. Umgekehrt wird auch den Polen Großbritannien nähergebracht." &lt;/p&gt; &lt;p&gt;In seiner Ansprache am Wahlabend richtete Donald Tusk, Vorsitzender der bei der Parlamentswahl siegreichen wirtschaftsliberalen Bürgerplattform, einen Satz an die Auslandspolen: Er wünsche sich, dass jene, die ihr Glück außerhalb Polens suchen, nach Hause zurückkehren. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Dazu möchte seine Partei etwa durch Steuererleichterungen oder Investitionsmöglichkeiten bewegen. Doch all das sind vorerst nur Versprechen – und auch die sind erst auf einer der letzten Seiten des 84-seitigen Wahlprogramms formuliert. &lt;/p&gt;   &lt;p class="klein" align="right"&gt;&lt;a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4555&amp;amp;Alias=wzo&amp;amp;cob=309823&amp;amp;currentpage=0"&gt;Wiener Zeitung, Mittwoch, 31. Oktober 2007&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-2480301440566473483?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/2480301440566473483/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=2480301440566473483' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2480301440566473483'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/2480301440566473483'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/die-kommen-zurck-oder-auch-nicht.html' title='&quot;Die kommen zurück&quot; - oder auch nicht'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-3585186182998161399</id><published>2007-10-10T06:20:00.000-07:00</published><updated>2008-01-05T08:21:56.181-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='türkei'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><title type='text'>Reise an Europas fernsten Rand</title><content type='html'>&lt;div class="imgdivfloat"&gt;&lt;div&gt;    &lt;table class="bildtable" left="5px" valign="top" style="vertical-align: top; text-align: right; float: right; margin-bottom: 10px;" align="right" border="0" cellpadding="0" cellspacing="1" width="160"&gt; &lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;tr&gt;&lt;td align="left"&gt;&lt;p class="small" style="margin-bottom: 5px;" width="160"&gt;   &lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt; &lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;    &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div style="width: 160px; vertical-align: top; float: right; clear: right;"&gt;&lt;!--LinkSpace--&gt;&lt;/div&gt;  &lt;div class="wieparagraph"&gt;&lt;img src="http://www.wienerzeitung.at/bilder/wz2003/rainbowallgemein/wzfeld.gif" alt="Aufzählung" title="Aufzählung" height="8" width="8" /&gt; Nachrichten aus Diyarbakir handeln oft vom Krieg der Türkei gegen die PKK. Ansichten aus Kurdistan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Du bist verrückt. Nach Diyarbakir willst du fahren? Dort sind doch nur Kurden!" Der Plan, in den Südosten des Landes zu reisen, stößt bei türkischen Bekannten in Ankara auf Unverständnis. Auch wenn einige von ihnen noch nie dort waren: Die Region bringen sie in erster Linie mit Armut sowie Zurückgebliebenheit in Verbindung - und mit Kämpfen zwischen der Armee und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Es vergeht kaum ein Tag, an dem bei Gefechten in den Bergen an der Grenze zum Irak nicht blutjunge türkische Soldaten sterben. Ebenso wie Aktivisten der PKK. "Terroristen" heißen sie offiziell. Kurden hingegen - als deren Metropole Diyarbakir gilt – nennen sie meist "Guerilla". &lt;/div&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Doch auf den ersten Blick unterscheidet sich Diyarbakir kaum von anderen anatolischen Städten, die nicht zuletzt durch die Landflucht stark gewachsen sind. Abgesehen vielleicht von den riesigen stacheldrahtumzäunten Arealen, die die Armee einnimmt. Pastellfarbene Wohnblöcke mit bunten Zierleisten unter den Balkonen ziehen sich bis an die Stadtränder. Dazwischen gläserne Bürogebäude und unzählige Werbetafeln an den Hauswänden. In Ofis, einem der neueren Viertel, reihen sich Geschäfte aneinander, neben Bars und Kaffeehäusern. Am Abend, wenn es von den 35 Grad Celsius im Herbst auf 20 Grad abgekühlt hat, sitzen Männer wie Frauen, in T-Shirts und Jeans in schicken Cafes auf Sitzpölstern und rauchen Nargile, Wasserpfeife. Auf den vierspurigen Ausfallstraßen hupen Autofahrer ihre Vordermänner an. Eine Skulptur in einem Kreisverkehr zeigt, wofür Diyarbakir auch bekannt sein will: Wie auf einer mehrstöckigen Torte prangt eine steinerne Wassermelone. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Denn obwohl von kargen ausgedörrten Bergen umgeben, liegt die Stadt selbst in einer fruchtbaren Ebene. Es ist das alte Mesopotamien, dessen Kultur Jahrtausende alt ist. Der Fluss Tigris, über den eine fast 950 Jahre alte Brücke mit zehn Bögen führt, macht den Anbau von Melonen, Tomaten und Gurken möglich. Die Felder sind besonders gut von den Bastionen der Wehrmauern aus zu sehen, die die Altstadt umschließen. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Innerhalb der Mauern scheint die moderne Türkei weit entfernt; die gläsernen Teile Diyarbakirs und seine schicken Cafes sind wie aus einer anderen Welt. Innerhalb der alten Mauern gehören die Straßen den Männern: Sie sitzen vor den Cafés, bieten an Ständen ihre Ware an, schlendern durch die Altstadt, starren Menschen aus dem Ausland an - und ganz besonders die Frauen. Es ist staubig; der Geruch von Obst und Gewürzen vermischt sich mit dem Gestank von Abfall. In den engen verwinkelten Gassen, wo die Sonne selten hinkommt, laufen Grüppchen von Kindern mit zerzaustem Haar herum. "Hello, what's your name?" rufen sie Fremden zu. Manche wollen Geld, werden von Erwachsenen aber vertrieben. Auf den Schwellen der niedrigen Häuser hocken Frauen mit lose gewickelten weißen Kopftüchern und plaudern miteinander. In einem der wenigen renovierten Innenhöfe mit ihren hohen Erkern sitzen sechs ältere Männer: Sänger, die kurdische Weisen voller Wehmut von sich geben. Andere Männer hören ihnen zu. &lt;/p&gt; &lt;p&gt;* &lt;/p&gt; &lt;p&gt;Diyarbakir ist in den letzten Jahren auf geschätzte 1,5 Millionen Einwohner angewachsen. Laut Menschenrechtsorganisationen hat die türkische Armee seit den 90er-Jahren an die 3680 von Kurden bewohnte Dörfer wegen der Kämpfe mit der PKK geräumt. Die Menschen flohen und leben seitdem in Slums in großen Städten wie Istanbul und Ankara - oder in Diyarbakir. Erst seit wenigen Jahren dürfen sie auf den Straßen Kurdisch sprechen, ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung. Doch die Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit, jahrzehntelange wirtschaftliche Vernachlässigung, ein feudales System in der Landwirtschaft, geringe Bildung, Unterdrückung der Frauen bleiben. Der Wandel ist hier weit zögerlicher als woanders in der Türkei. &lt;/p&gt;   &lt;p class="klein" align="right"&gt;Wiener Zeitung, am Mittwoch, 10. Oktober 2007&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-3585186182998161399?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/3585186182998161399/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=3585186182998161399' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3585186182998161399'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/3585186182998161399'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2007/12/reise-europas-fernsten-rand.html' title='Reise an Europas fernsten Rand'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6495058406293732448.post-170747271411015814</id><published>2006-02-01T04:20:00.000-08:00</published><updated>2008-01-05T09:18:32.013-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='grenzgänge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='publizierte artikel'/><title type='text'>Der Preis für ein bisschen Wohlstand</title><content type='html'>&lt;div&gt;Zu Tausenden ziehen sie weg – von Lettland nach Großbritannien. Und sie sind dort erwünscht. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt; &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;Lelde Stare will weg. Die 28-Jährige sitzt in einem Kaffeehaus in Riga und schüttelt ihre halblangen blonden Haare. Nein, hier bleiben will sie nicht. Das Problem ist nicht die boomende Hauptstadt, mit ihren teils prachtvoll renovierten Jugendstilhäusern, den schicken Cafes und zahlreichen Boutiquen. Das Problem ist Lettland, wo die junge Frau keine Perspektiven für sich sieht – derzeit nicht. Jeder zehnte hier hat keinen Job, auf dem Land ist es sogar jeder Dritte.&lt;br /&gt;Dabei würde Lelde das gar nicht treffen. Sie hat Betriebswirtschaft studiert, spricht fließend Englisch. Sie weiß, dass sie einen Job finden würde. In Zeitungsannoncen werben Firmen um „gut ausgebildete flexible junge“ Menschen. Doch Lelde weiß auch um das Durchschnittsgehalt in Lettland: Es beträgt nicht einmal 300 Euro. Da geht sie lieber nach Großbritannien, wo sie mehr verdient – selbst wenn sie als Zimmermädchen arbeitet oder Teller abwäscht.&lt;br /&gt;Wie der Nachbar Estland kämpft auch Lettland mit einer schrumpfenden Bevölkerungszahl. Rund 2,5 Millionen Menschen leben dort, jeder Dritte wohnt in Riga. Jährlich gehen tausende Junge ins Ausland arbeiten. Viel Auswahl haben sie dabei nicht: Als neue EU-Bürger können sie zwar überall in der Union leben. Doch für ihre Arbeitsmärkte haben fast alle alten EU-Staaten Übergangsfristen verhängt. Nur in Großbritannien, Schweden und Irland sind die Arbeitswilligen aus dem Osten willkommen. Obwohl sie meist eine gute Ausbildung haben, arbeiten sie dort oft als Kellnerin, Bauarbeiter, Zimmermädchen, Au-Pair, Erntehelfer. Manche nur ein paar Wochen oder Monate, manche jahrelang.&lt;br /&gt;Allein nach Großbritannien sind seit dem 1. Mai 2004, seit der EU-Osterweiterung, an die 300.000 Menschen gegangen. Ein Viertel von ihnen stammt aus Lettland, Litauen und Estland. Doch Klagen über einen Ansturm ausländischer Arbeitskräfte kommen von den Regierungen in London, Dublin und Stockholm keinesfalls. Britische Unternehmen geben in osteuropäischen Zeitungen weiterhin Suchanzeigen für Migrationswillige auf. Dass und wie sehr die Länder von den neuen Arbeitskräften profitieren, will die EU-Kommission nächste Woche in einem Bericht darlegen.&lt;br /&gt;Über die Lebensumstände der Ausgewanderten wird dort wohl wenig zu lesen sein. Viele der Jobsuchenden müssen sich mit geringeren Löhnen als Inländer zufrieden geben. Dafür werden ihnen hohe Mieten abgeknöpft. Akkordarbeit auf den Feldern oder zwölf-Stunden-Schichten in den Betrieben sind keine Seltenheit. Welchen Preis sie für das bisschen Wohlstand zahlen, das sie nach Hause bringen, erzählen sie meist nicht.&lt;br /&gt;In der Zwischenzeit hoffen sie, dass die Wirtschaft in Lettland weiterhin so schnell wächst und attraktive Jobs geschaffen werden. Sechs Prozent sollte das BIP-Wachstum heuer wieder betragen, drei Mal so viel wie in den alten EU-Staaten. Die Bauwirtschaft boomt, ausländische Investoren wissen die niedrigen Steuern und Einkommen zu schätzen.&lt;br /&gt;Doch eine Mittelschicht, die den Wohlstand eines Landes dauerhaft macht, bildet sich nur langsam. Noch immer ist die Kluft zwischen Arm und Reich groß. Ein Jungunternehmer kann schnell zu Geld kommen, indem er ein Dutzend Näherinnen Konfektion für internationale Modemarken zum Mindestlohn fertigen lässt. Doch neben dem neuesten Ferrari-Modell steht eine alte Frau, die einzelne Zigaretten und ein paar Zwiebeln anbietet. Wenn ihr die jemand abkauft, kann sie sich ihr Abendessen leisten.&lt;br /&gt;Für Essen und Trinken geben die Letten ein Viertel ihres Haushaltsbudgets aus. In reicheren Ländern – wie Großbritannien – beträgt der Anteil nicht einmal ein Zehntel, im EU-Schnitt sind es 13 Prozent.&lt;br /&gt;Dass in England dafür andere Dinge wesentlich teurer sind, weiß Lelde Stare. Sie möchte ihr Geld auch nicht dort ausgeben, sondern so viel wie möglich sparen. Denn sie will nach Hause, nach Lettland zurückkommen. Und irgendwann einmal bleiben.&lt;br /&gt;Mittwoch, 01. Februar 2006Der Preis für ein bisschen Wohlstand&lt;br /&gt;Zu Tausenden ziehen sie weg – von Lettland nach Großbritannien. Und sie sind dort erwünscht.&lt;br /&gt;Lelde Stare will weg. Die 28-Jährige sitzt in einem Kaffeehaus in Riga und schüttelt ihre halblangen blonden Haare. Nein, hier bleiben will sie nicht. Das Problem ist nicht die boomende Hauptstadt, mit ihren teils prachtvoll renovierten Jugendstilhäusern, den schicken Cafes und zahlreichen Boutiquen. Das Problem ist Lettland, wo die junge Frau keine Perspektiven für sich sieht – derzeit nicht. Jeder zehnte hier hat keinen Job, auf dem Land ist es sogar jeder Dritte.&lt;br /&gt;Dabei würde Lelde das gar nicht treffen. Sie hat Betriebswirtschaft studiert, spricht fließend Englisch. Sie weiß, dass sie einen Job finden würde. In Zeitungsannoncen werben Firmen um „gut ausgebildete flexible junge“ Menschen. Doch Lelde weiß auch um das Durchschnittsgehalt in Lettland: Es beträgt nicht einmal 300 Euro. Da geht sie lieber nach Großbritannien, wo sie mehr verdient – selbst wenn sie als Zimmermädchen arbeitet oder Teller abwäscht.&lt;br /&gt;Wie der Nachbar Estland kämpft auch Lettland mit einer schrumpfenden Bevölkerungszahl. Rund 2,5 Millionen Menschen leben dort, jeder Dritte wohnt in Riga. Jährlich gehen tausende Junge ins Ausland arbeiten. Viel Auswahl haben sie dabei nicht: Als neue EU-Bürger können sie zwar überall in der Union leben. Doch für ihre Arbeitsmärkte haben fast alle alten EU-Staaten Übergangsfristen verhängt. Nur in Großbritannien, Schweden und Irland sind die Arbeitswilligen aus dem Osten willkommen. Obwohl sie meist eine gute Ausbildung haben, arbeiten sie dort oft als Kellnerin, Bauarbeiter, Zimmermädchen, Au-Pair, Erntehelfer. Manche nur ein paar Wochen oder Monate, manche jahrelang.&lt;br /&gt;Allein nach Großbritannien sind seit dem 1. Mai 2004, seit der EU-Osterweiterung, an die 300.000 Menschen gegangen. Ein Viertel von ihnen stammt aus Lettland, Litauen und Estland. Doch Klagen über einen Ansturm ausländischer Arbeitskräfte kommen von den Regierungen in London, Dublin und Stockholm keinesfalls. Britische Unternehmen geben in osteuropäischen Zeitungen weiterhin Suchanzeigen für Migrationswillige auf. Dass und wie sehr die Länder von den neuen Arbeitskräften profitieren, will die EU-Kommission nächste Woche in einem Bericht darlegen.&lt;br /&gt;Über die Lebensumstände der Ausgewanderten wird dort wohl wenig zu lesen sein. Viele der Jobsuchenden müssen sich mit geringeren Löhnen als Inländer zufrieden geben. Dafür werden ihnen hohe Mieten abgeknöpft. Akkordarbeit auf den Feldern oder zwölf-Stunden-Schichten in den Betrieben sind keine Seltenheit. Welchen Preis sie für das bisschen Wohlstand zahlen, das sie nach Hause bringen, erzählen sie meist nicht.&lt;br /&gt;In der Zwischenzeit hoffen sie, dass die Wirtschaft in Lettland weiterhin so schnell wächst und attraktive Jobs geschaffen werden. Sechs Prozent sollte das BIP-Wachstum heuer wieder betragen, drei Mal so viel wie in den alten EU-Staaten. Die Bauwirtschaft boomt, ausländische Investoren wissen die niedrigen Steuern und Einkommen zu schätzen.&lt;br /&gt;Doch eine Mittelschicht, die den Wohlstand eines Landes dauerhaft macht, bildet sich nur langsam. Noch immer ist die Kluft zwischen Arm und Reich groß. Ein Jungunternehmer kann schnell zu Geld kommen, indem er ein Dutzend Näherinnen Konfektion für internationale Modemarken zum Mindestlohn fertigen lässt. Doch neben dem neuesten Ferrari-Modell steht eine alte Frau, die einzelne Zigaretten und ein paar Zwiebeln anbietet. Wenn ihr die jemand abkauft, kann sie sich ihr Abendessen leisten.&lt;br /&gt;Für Essen und Trinken geben die Letten ein Viertel ihres Haushaltsbudgets aus. In reicheren Ländern – wie Großbritannien – beträgt der Anteil nicht einmal ein Zehntel, im EU-Schnitt sind es 13 Prozent.&lt;br /&gt;Dass in England dafür andere Dinge wesentlich teurer sind, weiß Lelde Stare. Sie möchte ihr Geld auch nicht dort ausgeben, sondern so viel wie möglich sparen. Denn sie will nach Hause, nach Lettland zurückkommen. Und irgendwann einmal bleiben.&lt;br /&gt;                                                                                 &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div&gt;                                                                                  Wiener Zeitung, Mittwoch, 01. Februar 2006&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6495058406293732448-170747271411015814?l=czarnowska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://czarnowska.blogspot.com/feeds/170747271411015814/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6495058406293732448&amp;postID=170747271411015814' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/170747271411015814'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6495058406293732448/posts/default/170747271411015814'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://czarnowska.blogspot.com/2008/01/der-preis-fr-ein-bisschen-wohlstand.html' title='Der Preis für ein bisschen Wohlstand'/><author><name>MARTYNA CZARNOWSKA</name><uri>http://www.blogger.com/profile/12588002560960935032</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
